Bianca Obermaier: “Ich wollte schon immer einen Künstlerhof haben”

Bianca Obermaier, geborene Bloier, sitzt beim Kaffee mit einer Künstlerin im Schatten. Kornelia Soutschek hat neue Bilder gebracht, die Nachfrage ist groß. Gegenüber der hölzernen Sitzgruppe stehen die Stadltüren weit offen, laden ein, hineinzuschauen. Das, was sich im Inneren verbirgt, ist Biancas wahr gewordener Traum: ein Künstlerhof, in dem Kunstschaffende aus der Region ihre Werke präsentieren und anbieten. Dazu gesellen sich Biancas eigene Werke aus ihrem Laden “Inspiration – dekorative Floristik”.

Der Name “Höll” will so gar nicht recht zu diesem paradiesischen Ort auf dem Hügel über Asenham passen. Direkt am Haus schließt sich der Stadl an, gegenüber wartet noch eine Werkstatt auf ihre Belebung, weiter hinten steht ein Schuppen und dahinter beginnt der duftige Wald. Ruhig ist es hier, für Eile ist hier gar keine Zeit. Durch  glückliche Umstände fand Bianca den kleinen Hof in dieser wunderbaren Lage. Im Winter saß sie bei einem Tee in der Wohnstube, da waren noch nicht mal alle Umzugskisten ausgepackt. Aber ein Gedanke hatte längst begonnen, sich in Biancas Herz und Kopf zu schleichen: “Ich wollte schon immer einen Künstlerhof haben.”

“Dann ging alles sehr schnell”

Ihr eigener Weg in die Selbstständigkeit hat sie wachsen lassen. Dieses gute Gefühl möchte sie teilen, sie möchte Netze weben und die Menschen zusammenbringen, die sich wiederum etwas geben können: Inspiration, gute Gedanken, ein Miteinander. Dass ihr Herz für Künstler schlägt, hat einen Grund: “Viele arbeiten mit Leidenschaft, können aber nicht davon leben. Parallel müssen sie arbeiten und oft haben sie keine gute Möglichkeit, ihre Werke zu verkaufen. Kunstwerke müssen aber rausgetragen werden – da steckt so viel Energie und Liebe drin.”

Bianca weiß, wovon sie spricht: Ihre Arbeit lässt sich als dekoratives Kunsthandwerk bezeichnen. Gelernt hat sie Floristin, aber Blumen und Pflanzen allein genügten der Naturliebhaberin in ihrem Schaffen nicht. Sie liebt es, Holz zu verarbeiten, fällt aber nie einen Baum dafür. Bianca verwendet ausschließlich Alt- und Totholz. Daraus kreiert sie mit weiteren Materialien aus der Natur, lebendigen Pflanzen und Dekoobjekten ihre Werke. Sie zieht die Bretter über die Schleifmaschine, befreit Balken mit der Bürstlmaschine von Staub und Schmutz, befestigt mit Heißklebepistole Bänder, Zapfen, Windlichter, schneidet mit der Bandsäge Herzen aus Holz aus. In ihrer zierlichen Erscheinung steckt viel Energie, sie packt an, was sie wirklich haben will. So auch die Verwirklichung des Künstlerhofs.

Mit einem Portrait auf www.rottalergsichter.de sowie ihren Social-Media-Accounts teilte sie ihre Idee mit. “Dann ging alles sehr schnell,” sagt sie und lacht, selbst noch ein wenig ungläubig, obwohl sie ganz genau weiß, dass Träume wahr werden, wenn man nur fest genug hinter ihnen steht. Die ersten Künstler meldeten sich, sie präsentierte sie nach und nach auf ihren Seiten. Parallel renovierte sie mit der Unterstützung ihres Vaters den Stadl. Der Raum im Erdgeschoss bekam einen neuen Boden, der Verputz wurde von der Wand geklopft und nur teilweise neu angebracht. Hier und da dürfen sich die Backsteine zeigen. Im eigentlichen Stadl musste nicht ganz so viel gemacht werden, das Holz zeigt sich nach wie vor von seiner besten Seite. Auch Biancas Vermieter unterstütze ihr Vorhaben, worüber sie unglaublich dankbar ist.

“Das war einfach ein Traum”

Nach den Renovierungsarbeiten kam Biancas größtes Talent zum Tragen: den Räumen Seele schenken. Mit unvergleichlichem Gespür für Details gestaltete sie ihren Hof und gab jedem Künstler den Platz, an dem seine Werke am besten zur Geltung kommen. Alles fügte sich geschmeidig zu einem großen Ganzen zusammen, bis es bereit war für die Öffentlichkeit.

Schnaufend lehnen soeben zwei Radfahrer ihre E-Bikes an den Zaun – die späte Sommerhitze lässt sie trotz mobiler Unterstützung schwitzen. Bianca begrüßt sie freundlich, die Künstlerin verabschiedet sich herzlich. Die Besucher gehen sichtlich staunend und neugierig durch die offenen Stadltüren, Bianca lächelt ihnen nach. Sie ist voller Freude über ihren Hof, voller Freude, dass sie diesen schönen Ort teilen kann.

Ihr Gesicht beginnt noch mehr zu strahlen, als sie vom großen Eröffnungsfest am 3. August 2019 erzählt: “Das war einfach ein Traum!” Mehr Worte muss sie gar nicht finden, ihre Augen sagen alles. Über 600 Gäste fanden den Weg zu ihr herauf, die Feuerwehr musste den Verkehr regeln, da die unbefestigte Straße keinen Platz für zwei Autos nebeneinander bietet. Kaffee und Kuchen sowie Burger und Pommes wurden reichlich verspeist, Biancas Tochter Lina verkaufte Eis und an den Feuerschalen von Günther Peschl grillten die Kinder Würstl. Bianca selbst schlug immer wieder die Trommel neben Johannes E. Brandl, der seine indianische Seelenflöte spielte, alle Künstler und Kunsthandwerker waren zugegen. Die Menschen fühlten sich sichtlich wohl und blieben auch nach der Besichtigung des Stadls noch lange sitzen.

Rundherum blitzte, donnerte und regnete es am späteren Festtag, doch Biancas “Höll” blieb davon verschont. Wolken und Sonne wechselten sich ab und der leichte Wind brachte die gute Waldluft aufs Festgelände. Bianca lächelt ein wenig geheimnisvoll: “Ich wusste, dass es gut wird. Ich habe es vor meinem inneren Auge gesehen.” Sagt sie, steht auf und geht zu dem Paar, das ein paar Fragen an sie hat. Wenig später verabschiedet sie die Radler, die sich zufrieden auf den Rückweg machen. “Jeden Tag kommen Leute zu mir rauf,” sagt sie voller Freude.

“Es ist gut, auf sein Gefühl zu hören”

Als gelernte Floristin arbeitete Bianca lange in Festanstellung, meldete irgendwann ein Nebengewerbe an, weil sie immer wieder für individuelle Kundenwünsche angefragt wurde. Im Advent 2016 eröffnete sie die Altholzhütte am Bad Birnbacher Marktplatz. “Das Angebot wurde gut angenommen,” sagt Bianca. “Im April 2018 habe ich dann endlich gekündigt und mich getraut, auf eigenen Beinen zu stehen. Ich hab mir gedacht, jetzt probier ich’s. Es hilft ja eh nix.” Sie lacht, zuckt die Schultern.

Die Altholzhütte bot zu wenig Raum und auch Komfort, um Biancas Schaffensreichtum zu genügen. Also musste ein eigner Laden her. In der Hofmark wurde Bianca fündig. Sie ist zufrieden: “Die Leute kommen gern in meinen Laden und ich bekomme viele schöne Komplimente. Eine Kundin hat neulich gesagt, dass ihr das Herz aufgeht, wenn sie hereinkommt.” Biancas Augen glänzen gerührt. Mit dem Künstlerhof ergeht es ihr genauso. Die Besucher staunen, bewundern den schönen Ort, das besondere Angebot, die Vielfalt an Werken. Die Vormittage verbringt Bianca im Birnbacher Laden und in der Werkstatt, die Nachmittage auf dem Hof.

So lässt sich für sie auch gut das Leben mit ihrer Tochter vereinbaren: Bianca ist geschieden und alleinerziehend. Tochter Lina ist zehn Jahre alt. Mit Katze Miezi leben die beiden gern hier oben. Und sogar Linas Wunsch nach eigenen Haserl hat sich erfüllt. In einem großen Gehege lebt hier ein Kaninchenpaar – und eine Familie haben die beiden auch schon gegründet.

Hat Bianca den Hof gefunden? Oder hat er sie gefunden? Bianca ist sich nicht sicher, glaubt aber fest daran, dass im Leben nichts dem Zufall überlassen ist.  “Ich weiß, dass genau die Leute kommen, die angezogen werden,” sagt sie. “Es ist gut, auf sein Gefühl zu hören. Ich weiß, wie das ist, wenn man das nicht tut. Da kann man sehr viel von sich verlieren.” Holzhäusl, Laden, der Künstlerhof – alles Bauchentscheidungen. “Das Leben schenkt mir viel. Und ich möchte etwas weitergeben. Ich möchte für die Künstler eine Ermöglicherin und vielleicht auch ein Sprungbrett sein. Ich bin auf meinem Weg auch immer gut unterstützt worden. Das ist viel wert.”

Festlichkeiten und Workshops

Am 8. September 2019 folgte das nächste Fest: Mit der neuen Reihe “Rottaler Gsichter und DU” haben Leser*innen die Gelegenheit, das Tun der Portraitierten direkt zu erleben. Auf Biancas Hof erfolgte der Probelauf – Singer&Songwriter Huey Colbinger gab im Stadl seine Lieder zum Besten und brachte dem Publikum seine Lebensphilosophie näher. Trotz Regenwetter kam genügend Publikum, um eine gute Stimmung entstehen zu lassen.

Flötenbauer Johannes E. Brandl bietet seit der Eröffnung seine indianischen Seelenreisen an: Im Stadl, mitten unter den Kunstwerken lassen sich die Teilnehmer in andere Welten entführen – oder bei schönem Wetter draußen mit Panoramablick. Wer selbst seine eigene Seelenflöte bauen will, kann dies bei den Workshops für Kinder und Erwachsene tun. Am Wochenende des 16. und 17. Novembers steht mit dem Wintermarkt das nächste Fest auf dem Künstlerhof an – am Samstag startet das Fest um 14 Uhr und endet um 22 Uhr, am Sonntag geht’s von 10 bis 18 Uhr weiter. Dann wird sich der Hof in der kühleren Jahreszeit zeigen, festlich und stimmungsvoll. Auch auf dem Birnbacher Christkindlmarkt ist Bianca dabei, vom 29. November bis zum 1. Dezember präsentiert sie ihre Werke in ihrer Altholzhütte.

Noch ist davon nichts zu spüren, soeben schiebt die nächste Besucherin den Berg herauf, in Begleitung eines hechelnden Hundes. Sie hätte gar nicht gedacht, dass da noch was kommt, sagt die Frau schnaufend, aber erleichtert. Bianca begrüßt sie herzlich, zeigt ihr den Stadl. Tochter Lina schaut bei ihren Haserl nach und Katze Miezi schleicht um die Bänke. Die Hügel breiten sich aus, bis zum Bayerischen Wald lässt es sich schauen. Ein schönerer Ort für einen Künstlerhof ist kaum vorstellbar.

Aktuell präsentieren diese Künstler*innen ihre Werke bei Bianca:

Gudrun Bielmeier – Malerei mit Künstlerholzfarbstiften # Mathias Krüger – Orgonitmanufaktur # Günther Peschl – Feuerkugelkörbe # Gerhard Meisenberger – Dekoratives aus alten Balken # Martin Courage und Christian Wieser – Hobbyimkerei Freibachtal # Lisa Meister – Meister Photography # Michaela Surner – Aquarell, Acryl, Tusche # Jeannine Krüger – Acrylmalerei und Postkarten # Birgit Baumhammel – Acryl, Sand, Marmormehl # Sabine Kronberger – Personen- und Tierportraits mit Kohlestiften # Christa Hempen, Atelier Farbenlyrik – Acrylbilder und Taschenbemalung # von Aretin – Malerei# Claudia Unterleitner – Kunst in Öl und Filztaschen und -accessoires # Kathrin Hinterwinkler – Makramee-Schmuck # Kornelia Soutschek – Lebenslinie Kunst & Design # Erika Hauer und Klaus Werbinek – Kaffee aus Privatrösterei und Acrylbilder, deren Erlös geht an die Kinderhilfe Holzland # Franz Malli – Mosaikbilder # Veronika Schönhofer – Malerei # Albert Boris – Kunst aus Metall und Besteck # Corinna Winkler, Herzverbunden – Selbstgenähtes # Margot Vogl – Ausdrucksmalerei # Gerhard Franz Magersinne – Holzengel-Botschaften ausgesuchter heimischer Hölzer # Jeannette Marwinski JM Creative Works – individuell handgefertigte Deko im Vintage Style # Karin Glück – Dekoratives aus Ton # Juli Erbersdobler – Aquarelle # Monika Salai – Mos Handwork Mala, von Hand geknotete Edelstein-Meditationsketten # Rita Stoiber – Glasperlenschmuck # Richard Zinsberger – Holzgestaltung # Eva Reiser – Hüte und vieles mehr aus Filz #

Das Rotter Gsichter Magazin
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Hier gibt’s weitere Infos…

Inspiration - dekorative Floristik

Bianca Obermaier

Telefon: 0151-58152562
Anschrift: Höll 1
84364 Bad Birnbach/Asenham

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