Stefanie Rettenbeck und Martin Siebenmorgen: Digital für Rottal-Inn

Neun Uhr morgens. Zurechtgemacht sitze ich in der Küche mit einem Kaffee, vor mir der Laptop. Kamera an, ich bin bereit für mein erstes digitales Portrait-Interview – passenderweise mit dem Digitalen Gründerzentrum, dem GreG Rottal-Inn. Gleich wird es Zoom machen und dann habe ich Stefanie Rettenbeck und Martin Siebenmorgen auf dem Bildschirm. Stefanie ist die Netzwerk-Managerin, Martin der Geschäftsführer. Ich bin gespannt, was so ein Digitales Gründungszentrum macht, trinke einen Schluck vom Kaffee, achte drauf, dass kein Milchschaum auf der Oberlippe hängt und schwupp – da taucht auch schon Martin auf dem Bildschirm auf…

Martin: GreG-Geschäftsführer und Wirtschaftsförderer

Martin sitzt auch im Homeoffice, bei sich daheim in Töging. Momentan pendelt er nicht jeden Tag nach Pfarrkirchen in die Ringstraße zum Sparkassengebäude, wo die Kreisentwicklung sitzt. Martin ist nicht nur GreG-Geschäftsführer, sondern auch Wirtschaftsförderer im Landkreis. Wir warten ein wenig, bis auch Stefanie in die Kamera winkt. Sie meldet sich aus den Büros des GreG, die sich aktuell noch im Ärzteturm an der Rott befinden. Irgendwann in der zweiten Jahreshälfte wechselt das Digitale Gründerzentrum ins ehemalige Postgebäude der Stadt, das sich dann Denkwerk nennt, wie Eigentümer Hannes Rambold beschlossen hat.

Aber eins nach dem anderen. Was ist denn eigentlich ein Digitales Gründerzentrum? Martin holt aus: “Vor fünf Jahren sind die ersten digitalen Gründerzentren in Bayern an den Start gegangen – im Rahmen der Initiative ‘Gründerland Bayern’ des Wirtschaftsministeriums. Ein Teil davon ist das Gründerzentrum Digitalisierung Niederbayern, in dem sich die niederbayerischen Gründerzentren zusammengeschlossen haben. Anfang 2018 hat mein Chef, der Landrat, gemeint, dass wir in Richtung Digitalisierung mehr machen sollten. Also haben wir ein Konzept entwickelt, mit dem wir uns von anderen Gründerzentren abheben: Gemeinsam mit dem Landkreis Freyung-Grafenau arbeiten wir grenzüberschreitend mit Österreich und Tschechien zusammen. Darum heißen wir GreG – Grenzüberschreitendes Gründerzentrum. Uns gibt’s jetzt seit Ende 2019.”

Steffi: Start-Up-Kennerin und Netzwerkerin

Stefanie spricht weiter: “Wir sind unterstützend für alle Gründer da, die im digitalen Bereich arbeiten. Das ist ein breites Feld. Wir helfen Gründungsinteressierten bei der Ideenfindung und mit dem Businessplan, bei der Investorensuche, im Marketing, beim Aufbau ihrer Website und im Bereich Social Media. Dazu stellen wir günstige Büros und Coworkingspaces zur Verfügung.” Stefanie ist ein alter Fuchs, was das Thema Gründen betrifft. Nach dem BWL- und Kulturwissenschaftenstudium in Passau hat sie als freie Unternehmensberaterin gearbeitet, selbst ein paar Start-Ups hochgezogen und in anderen Gründerzentren Erfahrung gesammelt. Seit Mitte Dezember 2020 ist sie dabei und will “Gas geben”, wie sie selbst sagt.

Jetzt schaltet sich Martin wieder ein, um von der Organisation des GreG zu erzählen. “Das GreG ist ein Verein, Vorstand ist Landrat Michael Fahmüller. Zu 50 Prozent ist das Projekt gefördert. Verschiedene Unternehmen aus der Region sind Co-Finanzierer und bestreiten die andere Hälfte. Es war nicht schwer, Förderer zu finden – natürlich erhoffen sich diese eine Zusammenarbeit mit den Gründern.” Martin kennt sich aus mit Förderanträgen und Finanzen. Er hat berufsbegleitend BWL und Sportökonomie studiert, während er 15 Jahre lang in verschiedenen Banken gearbeitet hat, bis er die dort herrschenden Strukturen nicht mehr gut mit sich vereinbaren konnte.

Seit 2013 sitzt er nun als Stellvertretender Leiter in der Kreisentwicklung als Wirtschaftsförderer und kümmert sich um viele verschiedene Projekte. “Das ist sehr abwechslungsreich,” sagt er. “Es ist viel möglich, da viel gefördert wird. Die Kreisentwicklung ist eine freiwillige Leistung des Landkreises und die erste in Niederbayern. Uns wird manchmal vorgeworfen, was wir eigentlich machen. Das ist schlecht messbar, weil wir natürlich nicht wissen, was aus so manchem Projekt herauskommt. Aber wir bewegen was, bringen Ideen hervor und beziehen die Bürger mit ein.”

“Corona kann auch eine Chance sein”

Das GreG ist so eine Idee. Ende 2019 gegründet, ereilte die Welt im Frühjahr 2020 das große C. “Wir hatten drei Interessenten, die dann lieber doch nicht gegründet haben,” erzählt Martin. Stefanie ist aber überzeugt: “Corona kann auch eine Chance sein, grade im digitalen Bereich.” Sie freut sich, da jetzt der erste Gründer den Co-Working-Space im Rottpark nutzt. “Das ist auch die Gelegenheit, rauszukommen, mit anderen Gründern ins Gespräch zu kommen, nicht immer nur daheim sitzen zu müssen, wie das jetzt oft der Fall ist.”

Und was kostet das alles? Eine wichtige Frage für Gründer, die auf jeden Cent achten müssen. “Nichts,” sagt Stefanie und freut sich. “Durch unsere geförderte Beratungs- und Unterstützungsleistung ist eine Gründung sozusagen umsonst. Das hat es bisher so nicht gegeben. Dazu bieten wir nicht nur günstige Räume, sondern natürlich auch nach der Gründung Beratung, Coaching – und ein tolles Netzwerk und Austausch mit anderen Start-Ups.” Martin ergänzt: “Uns ist schon klar, dass man hier auf dem Land keinen Menschen mit günstigen Büros hinter dem Ofen hervorlockt. Viele haben daheim genug Platz, um zu arbeiten. Und im digitalen Bereich braucht es ja oft nur einen Schreibtisch. Dafür spricht halt unsere Unterstützung für sich.”

“Die Macher-Mentalität im Landkreis ist da”

Gründen ist also umsonst – wer dabeibleiben will, zahlt je nach Unternehmensgröße ab 50 Euro, als Privatperson einen Zwanziger jährlich. Bis zu fünf Jahre gilt man im GreG als Gründer, dann kann man sich als Förderer einbringen und seine eigenen Erfahrungen weitergeben. Das ist das Ziel des GreG, wie Martin sagt. So kann der Verein am Leben gehalten werden. Rein darf übrigens nicht jeder – ein digitales Geschäftsmodell ist Voraussetzung, eine innovative Idee ebenso. “Die Macher-Mentalität im Landkreis ist auf jeden Fall da,” sagt Stefanie, die selbst eine gebürtige Pfarrkirchnerin ist. Werbung hatte das GreG bislang nicht nötig, “es tut sich total viel. Das Meiste läuft über Kontakte und Kooperationspartner.” Und Martin sagt: “Über die Wirtschaftsförderung kann ich meine Kontakte sehr gut nutzen.”

Mit den Waidler-Kollegen tauschen sich die Rottaler wöchentlich aus, verschicken einen gemeinsamen Newsletter, planen gemeinsame (Online-)Veranstaltungen, generieren neue Kooperationspartner. Neben der aktiven Unterstützung der Gründer plant Stefanie derzeit erste digitale Veranstaltungsformate. Ein Seminar im “real life” – das geht aktuell halt nicht. Einen Online-Workshop soll es speziell für Gründerinnen geben. Bei einem weiteren werden sich etablierte Unternehmer mit Gründern austauschen.

Vom Rottpark ins Denkwerk

Zum Abschied des digitalen Portraitgesprächs winken wir uns zu – Martin und ich von Zuhause, Stefanie aus dem Büro. “In echt” sehen wir uns eine Woche später zum Fototermin bei strahlendem Vorfrühlingssonnenschein – erst in den Räumlichkeiten im Ärzteturm am Rottpark, dann auf der Baustelle des Denkwerk. Noch dauert es ein Zeitl, bis der Umzug vonstattengeht, noch gleicht das einstige Postgebäude einem Rohbau. Aber wenn’s mal soweit ist, dann ist das GreG näher dran am Stadtzentrum und am European Campus, hat zwei Stockwerke voller Büros inklusive großem Coworkingspace und Veranstaltungsraum, auch Stefanie wird dort vor Ort sein. Und im Erdgeschoss gibt es ein Café und eine Besprechungslounge – ein idealer Ort für Gründer, die nicht allein vor sich hinwurschteln wollen.

So wie Florian Gillmaier und seine Freundin Gilly Perry aus Johanniskirchen, die mit ihren bonoboherbs feine Kräuterteemischungen anbieten und nicht nur in regionalen Läden, sondern auch digital unter die Leute bringen wollen. Via Suchmaschine ist Flo übers GreG gestolpert, hat sich beraten und inspirieren lassen und schließlich beim Businessplan Wettbewerb ideenReich mitgemacht. Ihm taugt der gute Austausch und die neuen Leute, die man sonst nicht so einfach treffen würde.

Vernetzen, austauschen, unterstützt werden

Genau das ist auch das Ansinnen von Monika Wunderlich aus Reisbach. Sie ist aktuell Netzwerk- und Vereinsmitglied, ihre umwelt- und sozialverträgliche Tourismusidee NaKuGa befindet sich im Aufbau. “Wenn man wieder mal darf”, will sie Natur-, Kultur- und Gartentagesreisen mit dem Bus planen, organisieren und vermitteln. Mit ihrer Idee hat sie sich ans Wirtschaftsministerium gewendet und wurde von dort ans GreG verwiesen. Das freut Steffi und Martin – es rührt sich was.

Aber nicht nur für Nutzer, sondern auch für Netzwerkpartner ist das GreG interessant. Zum Beispiel für Simon Strobl, der schon seit ein paar Jahren mit seiner handgedrehten Keramik die Region begeistert. Flo, Gilly und Simon haben sich 2020 kennengelernt und schnell gemerkt, dass sie gut zusammen können. Einen feinen Tee trinkt man schließlich am besten aus einer tollen Tasse. Auch Simon ist begeistert vom GreG – obwohl er neuerdings Passau als seinen Lebensmittelpunkt auserkoren hat. Pfarrkirchen bleibt er dennoch treu, “das bleibt meine Heimat und hier sind gute Leute. Ich möchte die Kooperation nutzen, um neue Netzwerkpartner kennenzulernen.”

Schon bei diesem kurzen Miteinander wird klar, dass sich alle viel zu sagen haben – Abstand und Maske können das ebenso wenig bremsen wie der digitale Portraittermin ein paar Tage zuvor. So viel Motivation und Begeisterung hält die Erwartungen hoch und macht neugierig drauf, was sich bis zum Umzug alles tun wird – trotz oder gerade wegen dieser spannenden Zeiten. Und dann erst! So viel sei verraten – dann schau ich nochmal vorbei im GreG. Du wirst noch davon lesen und hören und auch direkt sehen, wenn Du magst. Bleib digital…

Das Rotter Gsichter Magazin
Das Rottaler Gsichter Magazin

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Hier gibt’s weitere Infos…

GreG - Digitales Gründerzentrum

Stefanie Rettenbeck und Martin Siebenmorgen

Telefon: +49 8561-9869380
Anschrift: Ringstraße 4-7
84347 Pfarrkirchen

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