Gudrun Sachs mit Herz: „Frauen können alles“

Oft wird sie nach ihrem Erfolgsrezept gefragt. Wie ist das zu schaffen – vier Kinder zu haben und ein Unternehmen mit hundert Mitarbeitern zu leiten, noch dazu in einer Männerbranche? Gudrun Sachs antwortet knapp: „Mit Disziplin.“ Sie mag die Frage nicht sonderlich, weil sie findet: „Kein Weg ist vergleichbar. Jeder geht seinen individuellen Weg und das ist gut so.“ Mit 56 Jahren ist sie ihrem Weg längst auf die Spur gekommen, auch wenn’s manchmal steinig war. Heuer, im Jahr 2018, feiert die Unternehmerin mit Sachs Kunststofffenster 50-Jähriges.

Ihr Vater Oskar Sachs hat die Firma gegründet, damals eine kleine Spenglerei. Bald spezialisierte man sich auf Kunststofffenster. „Mein Vater hat sich einen männlichen Nachfolger gewünscht – aber bevor mein Bruder zur Welt kam, kamen zwei Töchter.“ Die Älteste war sie selbst. Der Vater wollte nicht so recht dran glauben, dass auch eine Frau das Zeug zur Unternehmerin haben kann, bis ihm ein Freund sagte: „Wirst sehen, die Frauen kommen nochmal ganz groß raus.“ Für Gudrun Sachs ist klar: „Es geht darum, wer gerne Unternehmer ist. Wer hat einen eigenen Kopf, Willen und Ehrgeiz?“

„Wenn ich was beginne, ziehe ich es durch“

Daran mangelte es ihr nie – dennoch sah sie sich zunächst nicht als Nachfolgerin ihres Vaters. Ihre Eltern schickten sie aufs Mädcheninternat, aufs Gisela Gymnasium Passau Niedernburg zu den Englischen Fräulein. Gudrun Sachs genoss das Lernen inmitten von Mädels. Das Regime der Klosterschwestern hat sie in guter Erinnerung, „wir haben Verantwortung und Disziplin gelernt, aber keinesfalls so konservativ, wie man meinen möchte.“ In Passau fuhr sie mit ihrer Zündapp herum  – „da braucht man keinen Freund mit Auto“ – und wohnte mit ihrer Schwester noch vor dem Abi in einer WG.

Nach dem Abitur schwebte Gudrun Sachs eigentlich ein geisteswissenschaftliches Studium vor. Ihrem Vater gelang es, der Tochter was ganz anderes schmackhaft zu machen: BWL. „Wenn ich was beginne, ziehe ich es auch durch,“ sagt Gudrun Sachs, die von beiden Seiten Unternehmerblut mitbekommen hat. Denn nicht nur der Vater hatte seine Firma, auch die Mutter war mit ihrem Spiel- und Haushaltswarenladen unternehmerisch tätig. Kurz nach dem Examen wurde Gudrun Sachs zum ersten Mal Mama. „Das hat gepasst, Eva war willkommen,“ sagt sie.

„Ich hinterfrage mich ständig“

Gleich nach dem Examen stieg die frisch gebackene Absolventin und Mama ins väterliche Unternehmen ein. Ihre kleine Tochter war bei der Oma gut untergebracht. „Das war eine sehr harte Zeit,“ erinnert sie sich. „Anfangs wusste keiner mit mir was anzufangen. Das Team war eingespielt und ich hatte keine Ahnung von nichts.“ Um das zu ändern, hat sich Gudrun Sachs viel angelesen, war viel in der Werkstatt und auf Baustellen und hat sich gezielte Coachings gegönnt. „Ich musste mich erst zur Führungskraft entwickeln,“ sagt sie. Eine Frage begleitete sie auf ihrem Weg ständig: Wie kann ich die Firma mit einer klaren Ausrichtung weiter erfolgreich in die Zukunft führen und die Mitarbeiter mit ins Boot nehmen?

Ihr Vater stand ihr unterstützend zur Seite, sagte ihr aber auch: „Wenn du die Firma übernimmst, leite sie alleine. Das ist hart, aber du hast dadurch deine Freiheiten.“ Freiheit – das war das Zauberwort in Gudrun Sachs‘ Ohren. Sie nahm die Herausforderung an. Das war im Jahr 1999 nach dem dritten Kind. Ihre Mutter war skeptisch – sie selbst wusste um die enorme Anstrengung. Und sie hat ihr abgeraten, das zu tun, als Frau und als Mutter. Ein Zuspruch hätte ihr gut getan, sagt Gudrun Sachs. „Das war mit ein Grund, warum ich mich – immer noch – ständig hinterfrage, penible und selbstkritisch bin. Heute verstehe ich die Sorge meiner Mutter – damals war ich traurig, weil sie mir kein Vertrauen entgegen brachte.“

„Repräsentative Jobs fand ich nie wichtig“

Dem konnte die 56-Jährige aber auch was Gutes abgewinnen. Nur so konnte sie sich weiterentwickeln. Ihr Erfolg bestätigt sie. Als Frau leitet sie die Firma auf ihre Art und Weise. Ihre Kompetenz wurde dabei nie in Frage gestellt. Ihr Selbstwert wuchs mit den Jahren. „Viele Frauen finden mich in meinem Denken sehr männlich. Ich mag das nicht,“ sagt Gudrun Sachs. „Frauen können auch männliche Eigenschaften haben.“ Und heute weiß sie: „Frauen können alles, sie sind frei. Es ist alles nur eine Frage der Entscheidung und Disziplin. Ich hatte stressfreie Schwangerschaften, konnte dank Kindermädchen Arbeit und Familie vereinbaren, ich habe immer gestillt, weil ich kurze Wege hatte und habe zu meinen Mitarbeitern gesagt: ‚Ihr werdet nicht merken, dass ich ein Kind bekommen habe.'“

Das heißt: Schon kurze Zeit nach der Geburt war Gudrun Sachs wieder in der Firma zugange. Auch sie ist mit einem Kindermädchen aufgewachsen. Per Anzeige hat sie die Frau gefunden, sie ihre Familie 18 Jahre lang unterstützt hat. „Ich konnte mich hundertprozentig auf sie verlassen und musste mich nicht erklären,“ sagt Gudrun Sachs. Nach Feierabend steht für sie die Familie an erster Stelle. „Ich habe nie Abendtermine gemacht. Repräsentative Jobs fand ich nie wichtig – viel wichtiger war es für mich, meine Kinder ins Bett zu bringen.“

„Familie und Job: Ich habe alles gemanagt“

Woher sie die Kraft nahm, alles unter einen Hut zu bringen, kann sie nicht sagen: „Die Kraft war einfach da. Ich habe in der Familie und im Job alles gemanagt. Dazu waren immer schnelle Entscheidungen wichtig.“ Ebenso wichtig war es auch, die Unkenrufe der Gesellschaft zu überhören, die ihr unkonventionelles Rollenbild einer Mama anprangerten. Trotzdem wollte sie das Familienbild ganz traditionell leben: Mama, Papa, Kind. Darum heiratete sie auch nach dem zweiten Kind, Sohn Frederick, den Vater ihrer Kinder. Inzwischen ist sie geschieden: „Ein langer Weg ‚zurück‘. Heute bin ich aber froh darüber. Wir haben uns gegenseitig in die Selbstständigkeit entlassen,“ sagt sie und lächelt. „Das größte Geschenk daraus sind meine Kinder.“

Die Kinder sind inzwischen erwachsen. Eva ist 28, hat Staatswissenschaften studiert. Sie leitet die Sportgruppe Lauf Mama lauf, hat den Super Mom Kongress auf die Beine gestellt, ist selbst Mama einer Tochter – und arbeitet bei Sachs im Kundenservice. Frederick ist 25, ist ausgebildeter Koch und Schreinermeister und arbeitet jetzt auch im Familienbetrieb. Felix ist 16 und macht gerade die Ausbildung zum Elektriker. Und Susanne ist 18, sie hat ihr letztes Jahr am HPZ in Eggenfelden, eine junge Frau mit Down-Syndrom.

„Ich bin froh um die Bandbreite meiner Kinder, keins ist wie das andere,“ sagt Gudrun Sachs. „So bin auch ich selbst nicht so festgefahren. Und ich sehe – es gibt immer eine Chance – egal, was man macht.“ Genau das versucht sie auch ihren Mitarbeitern zu vermitteln. Sie freut sich, dass diese mit Problemen ohne Scheu zu ihr kommen, sei es beruflicher oder privater Art, weil sie wissen: Die Chefin hat ein offenes Ohr. Oft geht’s gar nicht um Lösungen, sondern allein ums Zuhören. Gudrun Sachs lacht ein wenig: „Unser Slogan ‚Fenster mit Herz‘ ist auch wirklich so gemeint.“

„Wir haben die Spezialisten“

Und zwar auch in Punkto Service und Kundenfreundlichkeit. Im Ausstellungsraum stehen Tafeln, vollgepinnt mit Rückmeldungen von der Kundschaft. Gudrun Sachs macht damit sichtbar, was sonst unsichtbar bliebe. „Wir setzen uns persönlich für den Kunden ein, das zeichnet uns aus,“ sagt sie. In Bad Birnbach findet alles statt: Verkauf, Produktion, Montage, Verwaltung und Kundendienst. Hier werden Kunststoff- und Alufenster, Wintergärten und Sonderwünsche angefertigt. „Wenn’s sonst niemand macht, dann machen’s wir. Wir haben die Spezialisten,“ sagt Gudrun Sachs und es schwingt durchaus gesunder Stolz in ihrer Stimme mit.

Und was wäre ein Spezialist ohne Lehre? Die Unternehmerin ist eine Verfechterin der klassischen Ausbildung und sieht den extremen Abitur- und Studiumstrend kritisch. „Wer eine Lehre gemacht hat, weiß, was er kann,“ sagt sie. „Und er hat jede Menge Perspektiven.“ Nicht zuletzt bei Sachs. Derzeit entsteht die firmeneigene Montageakademie, eine interne Ausbildung der Monteure. „Wir wollen echte Sachs-Monteure haben. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Die Mitarbeiter bekommen eine umfassende Ausbildung – technisch, fachlich, theoretisch, kaufmännisch, wirtschaftlich und rechtlich. Und sie lernen die Firmenstrategie kennen,“ sagt Gudrun Sachs, die immer auf der Suche nach guten Mitarbeitern ist.

„Arbeitszeit ist Lebenszeit“

Die Unternehmerin bietet ihren Leuten gute Perspektiven und zeigt neue Ansichten auf: „Arbeit wird in unserer Gesellschaft immer als negative Zeit bewertet. Aber Arbeitszeit ist auch Lebenszeit. Beides gehört zusammen.“ Sie sieht das, wenn ihre Mitarbeiter in Rente gehen. „Dann wird’s oft schwer.“ Ihre Monteure können Arbeits- und Lebenszeit wunderbar vereinbaren – sie sind von Weihnachten bis Mitte Februar daheim und haben dadurch Familienzeit und Elternzeit, wie Gudrun Sachs sagt.

Und was macht eigentlich Gudrun Sachs, wenn sie mal nicht arbeitet? Ja, sie verbringt Zeit mit der Familie. Oder sie ist trotzdem in der Firma. Jeden Freitag um halb sieben. Im Keller. Dann leitet sie im Schulungsraum ihre Yoga-Gruppe. Der Kurs ist gut gefüllt, es erreichen sie viele Anfragen. „Bewegung war mir immer wichtig,“ sagt sie. „Yoga begleitet mich schon viele Jahre. Dadurch komme ich immer wieder runter.“ Vor ein paar Jahren hat sie die Ausbildung zur Yogalehrerin gemacht. „Ich mache das von Herzen,“ sagt Gudrun Sachs. Wie eben alles.

Oskar Sachs Kunststoffbauelemente GmbH & Co

Gudrun Sachs

Telefon: 08563-96100
Anschrift: Bleichenbacher Weg 5
84364 Bad Birnbach

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