Heilpraktiker Tobias Obermeier: „Ich behandle den Menschen, nicht die Krankheit“

Tobias Obermeier sitzt in seiner Praxis im dritten Stock der Wohlfühltherme Bad Griesbach. Seit September 2017 behandelt er in der hervorragenden Lage des Bäderdreiecks seine Patienten. Es läuft gut an, seine Praxis spricht sich rum, er ist zufrieden. Der 30-Jährige ist Heilpraktiker, Ernährungsberater – und Betriebswirtschaftler. Eine Geschichte über einen unkonventionellen Werdegang und das Glück, seine Berufung gefunden zu haben…

„Ich bin lieber ehrlich“

„Ich wusste nie, was ich eigentlich wollte,“ sagt Tobias Obermeier und lacht sympathisch hinter seinem Schreibtisch im weißen T-Shirt. Sportlich und zäh sieht er aus und aus seinen Augen blitzt ein lebendiger Vorwitz. „Anfangs hatte ich zu viele Interessen, in denen ich mich irgendwie verloren habe.“ Er besuchte die Wirtschaftsschule ohne viel Überzeugung – „in der Schule wird man halt einfach in ein System gepresst.“

Und es hat ihn beeinflusst, dieses System: Nach der FOS hat Tobias Obermeier BWL studiert, Schwerpunkt Marketing. An seine Studienzeit erinnert er sich gerne, „ich hab nicht das Gefühl, was verpasst zu haben.“ Er gibt ein paar Anekdoten zum besten und erzählt von seinem Praktikum beim Bayerischen Rundfunk im Programmmarketing bei BR Klassik. Das Sinfonieorchester hat ihn schwer beeindruckt, Chance auf einen anständigen Vertrag bestand allerdings keine. Also weiterstudieren bis zum Ende. Und dann?

Dann zog es Tobias Obermeier erst mal hinaus in die weite Welt, nach Neuseeland. Ein halbes Jahr lang weilte er unter den „Kiwis“, immer noch planlos, was seine Zukunft betraf. Wieder daheim folgten mehrere Vorstellungsgespräche, mit deren Kodex er seine Probleme hatte: „Ich mag mich nicht verkaufen, ich bin lieber ehrlich. Und was hat irgendwer davon, wenn ich mich in so einem Gespräch anders gebe, wie ich eigentlich bin?“

„Schön zu wissen, was man will“

In seiner Zeit als Arbeits- und Identitätssuchender bildete sich Tobias Obermeier als Ernährungsberater weiter, sah an sich selbst, wie sich dank individuell richtigem Essen die Gesundheit beeinflussen lässt und sportelte viel. Sein Mountainbike wurde ihm zum Verhängnis – ein schwerer Sturz bescherte ihm einen dreiwöchigen Krankenhausaufenthalt. In der darauffolgenden Reha hatte er Zeit zum Nachdenken über die knifflige Frage: Was will ich eigentlich im Leben? Die Antwort kam von einer Freundin, die Tobias Obermeier auf eine Ausbildungsmöglichkeit zum Heilpraktiker aufmerksam machte. Das gefiel ihm und er meldete sich prompt in Birnbach in der Heilpraktikerschule von Franz Keindl an.

Eine Entscheidung, die den jungen Heilpraktiker heute immer noch durchweg freut: „Ich bin von einem planlosen zu einem sicheren Menschen geworden. Es ist so schön, endlich zu wissen, was man will – und dass das, was man macht, genau das Richtige ist.“ Seine Ausbildungszeit beschreibt er als sehr intensiv. Unter anderem standen Anatomie, Pathologie und Gesetzeskunde auf dem Stundenplan. Jeden Samstag lernte Tobias Obermeier mehr, ein Jahr lang, bis er in Landshut die Heilpraktikerprüfung in Landshut ablegte. „Das war anfangs großes Neuland für mich. Ich bin ganz schulmedizinisch aufgewachsen,“ erzählt er. „Die alternative Medizin funktioniert ganz anders.“

Von Blutegeln und heimischen Pflanzen

Ganz anders – weil sie sich neben dem Körper auch noch für Geist und Seele interessiert. „Es geht um den ganzen Menschen und darum, was ihn von der Gesundheit entfernt hat,“ sagt Tobias Obermeier. „Ich behandle nicht die Krankheit, sondern den Menschen.“ Während der Ausbildung besuchte er Fortbildungen, lernte in München am Zentrum für Naturheilkunde die Traditionelle Europäische Medizin kennen, die einheimische Pflanzen und Methoden anwendet. Er ist überzeugt: „Ich finde die Traditionelle Chinesische Medizin super – aber sie passt nicht zu unserem kulturellen Hintergrund.“

Außerdem befasste sich Tobias Obermeier mit der Konstitutionslehre und der Antlitz-Diagnose, was er am Beispiel meiner Ohren spontan demonstriert: „Du hast angewachsene Ohrläppchen. Das lässt auf einen Menschen schließen, der viel Abwechslung braucht.“ Stimmt durchaus. Er hat sich in Sachen Ausleitung weitergebildet – Aderlass und Blutegel-Therapie erfreuen sich wieder größter Beliebtheit. Aktuell beschäftigt er sich mit Phytotherapie, in der heimische Heilpflanzen zum Einsatz kommen. „Das Prinzip der Naturheilkunde ist einfach,“ sagt Tobias Obermeier. „Wohingegen in der Wissenschaft nur das Komplizierte zählt.“

„Ernährung? 60 Prozent einer erfolgreichen Therapie“

Und was ist einfach? „Das wirklich Logische,“ sagt der Heilpraktiker. Dass Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden, zum Beispiel. „Wenn das Fühlen und Denken im Ungleichgewicht ist, meldet sich der Körper und wird krank. Das ist für ihn die einzige Möglichkeit, sich bemerkbar zu machen,“ sagt Tobias Obermeier. Er weiß, wie wichtig es ist, dem Patienten zuzuhören, um zu erfahren, worum es geht und mit wem man es zu tun hat. Logisch ist für ihn auch, dass es eine entscheidende Rolle spielt, was man isst. Tobias Obermeier hat sich auf die Blutanalyse spezialisiert und ist überzeugt: „Ernährung spielt eine große Rolle und macht 60 Prozent einer erfolgreichen Therapie aus.“ Die Blutwerte eines Patienten verraten dem Heilpraktiker, wie dessen Verdauung funktioniert – was gut und was schlecht verwertet wird. Das zeigen eventuelle Mängel oder erhöhte Werte. Und damit noch nicht genug – die Blutwerte sagen auch was über den Charakter des Menschen aus.

Um den kranken Menschen wieder zur Gesundheit zu führen, fragt  Tobias Obermeier zu allererst nach dem innigsten Wunsch seines Patienten. Es folgt eine ausführliche Anamnese und eine erste Symptombehandlung, bevor die eigentliche Regulationsstörung behandelt wird. Je nach Bedarf erstellt der Heilpraktiker einen individuellen Ernährungsplan. Er weiß: Das fordert dem Patienten viel ab – nicht weniger als eine Veränderung der Lebensgewohnheiten. Ganz generell setzt er auf regionale und biologische Lebensmittel, um die Schadstoff- und Umweltbelastung gering zu halten und „dem Wahnsinn ein wenig entgegenzusteuern“ – wie Erdbeeren im Winter, Bioware aus entfernten Ländern oder Kartoffeln aus Ägypten. Was er gar nicht empfehlen kann, ist Weizen: „Das Getreide wurde in den 60er Jahren so sehr genmanipuliert, dass es heute keinen gut verdaulichen und gesunden Weizen mehr gibt,“ sagt er und zitiert die Bücher „Weizenwampe“ von William Davis und „Leben ohne Brot“ von Wolfgang Lutz, die auch sein eigenes Essverhalten entschieden verändert haben.

Ein wichtiger Faktor: die Blutgruppe

Tobias Obermeier ernährt sich inzwischen stärkefrei. Das heißt: keine Kartoffeln, kein Reis, kein Brot, kein Gebäck sonstiger Art. Dafür viel Gemüse, Fleisch und Fisch in Maßen. „Am Anfang war es schwer. Mittlerweile ist es aber kein Verzicht mehr, weil ich spüre, wie gut es mir damit geht,“ sagt er. „Ich sehe den Sinn dahinter. Mir geht es darum, gesund alt zu werden. Und ich sehe die großartigen Veränderungen meiner Patienten, wenn sie ihren Kohlenhydrat-Konsum verringern. Beim Abschlussgespräch sitzen dann ganz andere, strahlende Menschen vor mir.“ Aber auch er musste zunächst seine ideale Ernährungsweise finden. Während der Ausbildung probierte er es mit basischer und vegetarischer Ernährung, wurde aber immer schwächer und dünner. „Nachdem ich wieder Fleisch gegessen habe, hat sich wieder alles reguliert. In Maßen natürlich,“ sagt er und lacht.

Für ihn ist es heute kein Rätsel mehr, warum ihm die zunächst vernünftig anmutende Ernährungsweise nicht bekam: „Die Blutgruppe ist neben der Stoffwechselverbrennungsart ein ganz wichtiger Faktor, was den Stoffwechsel angeht,“ weiß der Heilpraktiker. „Ich habe Blutgruppe 0 – und für die ist vegetarische oder gar vegane Ernährung nicht geeignet.“ Interessant – immerhin gehören hierzulande über 40 Prozent der Blutgruppe 0 an und die Zahl der Vegetarier und Veganer steigt. Auch das Thema Milch sieht Tobias Obermeier kritisch – die Blutgruppen 0 und A kommen damit schlecht zurecht – zusammengenommen also fast 85 Prozent der Deutschen.

„Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich“

Das gibt zu denken. Der Heilpraktiker erzählt mehr von der Evolution des Menschen und der Entwicklung der Blutgruppen, von Untersäuerung, von den missverstandenen Stoffen Cholesterin und Jod. Und er erzählt davon, wie sehr er sich mit seinen Patienten freut, wenn sich erste Erfolge einstellen. „Wenn es den Menschen besser geht, bestätigt mich das sehr, dass ich endlich auf dem richtigen Weg bin,“ sagt er. Dabei sieht er sich lediglich als Berater: „Als Heilpraktiker kann ich eigentlich nur Ratschläge geben. Ich kann zwar die Menschen kurzfristig aus einem Loch holen, langfristig ist für sein Leben aber jeder selbst verantwortlich.“

Tobias Obermeier sieht das an sich selbst. So wie er lebt, so geht es ihm. Und das ist nicht schlecht, er ist inzwischen rundum zufrieden. Sein Heimatdorf ist Weng, das liegt zwischen Griesbach und Birnbach. Aufgewachsen ist er auf einem Bauernhof. Sein Papa ist früh verstorben, da war er noch ein Kleinkind. Die Mama war alleinerziehend, hat alleine ein Haus gebaut, „sie hat wirklich was drauf.“ Nach dem Studium ist er wieder daheim eingezogen. Die Mutter unterstützt ihn, er lobt ihre Kreativität in der Küche und ihr umfassendes Gärtnerwissen. Gemeinsam bewirtschaften sie einen großen Gemüsegarten. Und Tobias Obermeier ist gerade dabei, das alte Bauernhaus zu renovieren. Nach und nach. Pressiert nichts.

„Andere schafkopfen, wir machen Musik“

Neben seinem Beruf sportelt er viel und spielt ein wenig in seiner Band „The Lovefools“ Gitarre. „Andere Leute schafkopfen, wir machen Musik,“ sagt er und lacht. Geprobt wird auf dem Hof, da darf es laut zugehen. Jedes Jahr tritt die Band am Samstag vor Weihnachten im Badhaus auf, das hat Tradition. Und seit ein paar Jahren organisiert Tobias Obermeier mit seinem Spezl und treuem Wegbegleiter das kleine und feine Festival Wengstock gemeinsam mit dem Sportverein. Heuer ist es am 13. Juli so weit.

Sich Arbeits- und Freizeit selbst einzuteilen schätzt der 30-Jährige sehr an der Selbstständigkeit. Noch arbeitet er zehn Stunden in der Therme im Technikbereich, freilich mit dem Ziel vor Augen, „von meinem Beruf leben zu können. Aber ich mach das gern und hab auch schon früher in der Therme gearbeitet. So bin ich auch zu meinem Praxisraum gekommen.“ Und dort suchen ihn immer mehr Patienten auf. Das Gros ist zwischen 20 und 55 Jahre alt – und zumeist weiblich. Er vermutet, die Hemmschwelle sei bei Männern oft höher, da sie generell seltener jemanden aufsuchen, wenn es ihnen schlecht geht. Tobias Obermeier ist zuversichtlich: „Die Menschen werden allgemein immer bewusster und immer mehr sind auch bereit, etwas in ihrem Leben zu verändern, damit es ihnen besser geht.“

Naturheilpraxis

Tobias Obermeier

Telefon: 0151-50476834
Anschrift: Thermalbadstraße 4
94086 Bad Griesbach

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