Klaus Friederich und die Schokoladenfabrik

+++ Hier gibt’s Neues von Klaus Friederich+++

Ein warmer, süßer Duft begrüßt den Besucher des Cafés am Rottalradweg in Pfarrkirchen. An der Theke türmen sich Pralinen mit heller und dunkler Schokolade, Trüffel, gewälzt in Nüssen oder Kokosflocken, unter glänzendem Karamell, mit rosa Staubzucker. In der Vitrine nebenan locken Torten und Kleingebäck, Kuchen und große Leckerl. In den Regalen warten Schokolade, Marmeladen, Sirups, Weine, Liköre, köstliche Kleinigkeiten und feine Geschenkideen. Alles selbstgemacht von Klaus Friederich.

„Lernst halt Bäcker – Brot braucht man immer“

Der steht hinter der Theke und bietet einen Kaffee an. Am Vormittag ist es noch ruhig an diesem grauen Herbstsonntag. Die Gäste werden nachmittags erwartet. Darum ist noch Zeit, sich um die Firmenbestellungen zu kümmern. Mitarbeiterin Sarah Ullmann schlägt große Schokoladentaler in Folie, beklebt sie mit einem Firmenlogo. Jetzt, wo es in Richtung Weihnachten geht, häufen sich die Anfragen von Unternehmen, die ihren Kunden und Mitarbeitern zum Jahresende einen süßen Dank aussprechen wollen.

Klaus Friederich setzt sich, kleine Schokoladenspuren am T-Shirt verraten, dass er auch heute schon fleißig war. Wo gehobelt wird, fallen auch Späne. Das passende Sprichwort hätte eigentlich besser zu seinem ursprünglichen Berufswunsch gepasst. Eine freie Lehrstelle zum Schreiner gab es aber nicht, also wurde ihm gesagt: „Lernst halt Bäcker, Brot braucht man immer.“ Bereut hat Klaus Friedrich die Entscheidung nicht. „Das war spaßig,“ sagt er. Im Berufsbildungsjahr lernte er alle Berufe im Lebensmittelbereich kennen, half auch beim Zerlegen von Schweinen und beim Wursten. „Das hat mich neugierig gemacht.“

„Da hab ich gelernt, zu organisieren“

Diese Neugierde ist ein fester Bestandteil im Leben des heute 52-Jährigen. Mit der Ausbildung zum Bäcker war es noch lange nicht getan. Damals lebte Klaus Friederich noch in seiner alten Heimat, in Schwäbisch-Hall. „Das liegt in der Genießerregion Hohenlohe,“ betont er. Kein Wunder, dass da seine berufliche Laufbahn  genießerisch-kulinarisch weiterging. In der Bundeswehrzeit arbeitete er im Offizierskasino. Zunächst als Kellner mit Hemd und Krawatte, später als Koch. „Das war mit schon lieber, als im Dreck herumzukriechen,“ sagt er lachend. Auch, wenn er für die große Speisekarte sofort allein verantwortlich war. „Wenn ich was nicht wusste, hab ich meine Mama angerufen,“ erzählt Klaus Friederich. „Da hab ich gelernt, zu organisieren. Mich kann heute nichts mehr schocken.“

Nach der Bundeswehrzeit hängte Klaus Friederich eine Lehre zum Konditor dran, „aus Spaß“. Es folgten die unterschiedlichsten Stationen in seinen Berufen: Als Bäcker und Konditor arbeitete er in einem kleineren Betrieb, bevor er als Bäckermeister nach Stuttgart wechselte und schließlich in ein Hotel in Ilshofen als Bäcker und Patissier seine pikanten und süßen Kreationen anfertigte. Nebenbei machte er den Betriebswirt des Handwerks und lernte seine Frau Monika, eine Rottalerin, kennen. „Sie war als Direktionsassistentin meine Chefin. Daran hat sich bis heute nichts geändert,“ sagt er und lacht.

„Man braucht hier einen langen Atem“

Mit seiner Frau verbrachte er noch einige Zeit im Alphotel im Kleinwalsertal in Österreich, bevor das Paar beschloss, ins Rottal zu ziehen. Das ist mittlerweile 20 Jahre her und Klaus Friederich wusste damals nicht, was auf ihn zukommen würde. „Man braucht hier einen langen Atem,“ sagt er. Den hatte er – wie immer. Nach zwei Anstellungen als Bäcker und Konditor ging er zunächst zweieinhalb Jahre in die Familienpause. Der Papa von zwei mittlerweile fast erwachsenen Söhnen erinnert sich an diese Zeit gern: „Mir war immer wichtig, dass die Kinder frühzeitig selbstständig denken lernen.“

Klaus Friederich war für seine Kinder da – und experimentierte im Keller mit Schokoladenrezepturen. Außerdem waren da die 70 Bienenvölker, die er von seinem Schwiegervater geerbt hatte. „Anfangs wusste ich nur, dass Bienen stechen und Honig machen,“ sagt der heutige Imker schmunzelnd. „Jetzt weiß ich mehr.“ Und da Honig süß ist und sich prima mit Schokolade ergänzt, kam ihm diese Aufgabe sehr gelegen. Die Arbeit seiner Bienen verkauft er heute auch in seinem Ladencafé – neben einem eigenen Honig-Kochbuch, Marmeladen, Sirups und anderen Köstlichkeiten aus den Früchten aus seinem großen Garten. Bestäubt von seinen eigenen Bienen.

„Regional ist das neue Bio“

Genau so mag es Klaus Friederich: Regional. „Alles in meinem Laden stammt von kleinen Produzenten, die ich persönlich kenne. Bis auf die Schokolade. Kakao wächst leider nicht im Rottal,“ sagt er. Die Wurst zum Frühstück wird vom Metzger Kerscher geliefert, das Brot von der Bäckerei Voggenreiter und das Gemüse vom Stöbig. Klaus Friederich ist überzeugt: „Regional ist das neue Bio. Ein Produktionsnetzwerk, auf das sich der Verbraucher verlassen kann, ist viel wert,“ sagt er. Zu dieser Philosophie passt auch, dass er komplett auf Fertigprodukte verzichtet. Lieber verwendet er alte Rezepturen aus seiner Lehrzeit oder tüftelt selbst neue Kreationen aus. „Ich hab eine Idee und kann mir sofort vorstellen, wie das schmeckt – so wie ein Musiker Noten hören kann, ohne sie zu spielen,“ erklärt Klaus Friederich sein Talent.

Seine eigene Schokoladenproduktion begann also daheim im Keller. Nach dem Erziehungsurlaub hat sich der Süßwarenspezialist selbstständig gemacht und führte einen kleinen Laden in Anzenkirchen. Im Jahr 2007 wechselte er in den Neuwiesenweg am Volksfestplatz in Pfarrkirchen. In acht Wochen verwandelte er das ehemalige Autohausgebäude in seine Schokoladenfabrik.

Seine Erfindung: die Weißbierpraline

Jährlich produziert Klaus Friederich eine dreiviertel Tonne Pralinen und verarbeitet drei Tonnen an Kuvertüre. Möglich ist fast alles. Für einen Ziegelhersteller fertigte er tausende kleine Ziegelsteine aus Schokolade an. Für eine Schraubenfabrik kreiert er Schokoladenschrauben samt Mutter und Winkel. Bestäubt mit Kakao sieht das täuschend echt aus – und die Mutter lässt sich sogar auf die Schraube drehen. Und für die Brauerei Aldersbach hat er die Weißbierpraline erfunden.

Neben Schokolade arbeitet der Chocolatier mit Marzipan, Fondant und Zucker. Er hat Kurse in Zucker- und Butterartistik gemacht, kennt sich mit dem kunstvollen Schnitzen von Gemüse genauso aus wie mit Airbrush auf Torten und süßen Figuren. Und er stellt Eiscreme selbst her. Auch im Winter, da werden die Sorten schokoladiger und würziger. „Mein Tag beginnt um sieben Uhr,“ sagt Klaus Friederich. „An manchen Tagen backe ich schwerpunktmäßig, an anderen mache ich Pralinen.“ Im Sommer bietet er seinen Gästen eine kleine Küche mit pikanten Speisen.

„Gummibären, Eis, Schokolade – mag ich alles“

Von seiner Kindheit bis zum heutigen Tag hat Klaus Friederich also gern mit kulinarischen Genüssen zu tun. Die Selbstständigkeit war für ihn letztlich eine logische Folge: „Mit meinen Qualifikationen gibt es im Rottal nur wenige Arbeitsstellen.“ Sein Wissen bringt der 52-Jährige auch in der Konditoreninnung ein, wo er Gesellenprüfungen beisitzt. Neben seiner Süßwarenproduktion vermittelt er gern anderen Süßschnäbeln sein Können. Wer mag, kann bei ihm einen Pralinenkurs machen. Und gern führt er Gruppen durch seine Schokoladenfabrik und erzählt von seiner Leidenschaft. All die Süße in seinem Leben hält ihn nicht davon ab, selbst zuzugreifen: „Gummibären, Eis, Schokolade – mag ich alles.“

Mitarbeiterin Sarah Ullmann schlägt noch immer Schokoladentaler in Folie ein. Klaus Friederichs weitere Unterstützung, Marlene Wieser, hat heute frei, ebenso seine Auszubildende Tanja Schlaps. Hin und wieder kommen Kunden, um Kuchen und Mitbringsel zu kaufen. Für Klaus Friederich beginnt schon jetzt die Vorweihnachtszeit, die ersten Bestellungen trudeln regelmäßig ein. Am Tresen lockt der Probierteller. Noch ein kleines Stück Schokolade mit Kokos und ein letztes Schnuppern der süßen Luft. Draußen kommt die Sonne hinter dem Grau hervor.

Mit seinen vielfältigen Kreationen gewährt uns Klaus Friederich einen Einblick in seine Sweetfactory:

Neues von Klaus Friederich

Eineinhalb Jahre ist es her, dass ich Klaus Friederich in seiner Schokoladenmanufaktur im Neuwiesenweg besucht habe. Jetzt weiß der Konditor Neues zu berichten: Ab sofort gibt es bei ihm Meisterkaffee zu trinken. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich Klaus Friederich für diese Marke entschieden hat: „Da weiß ich, woher die Bohne kommt – wenn ich wollte, könnte ich die Kaffeefarmen besichtigen.“ Der direkte Bezug zum Lebensmittel gehört zu seiner Devise. Alles in seiner Sweet Factory ist entweder selbstgemacht aus Zutaten aus dem eigenen Garten oder kommt von regionalen Erzeugern. Seinen Wein bezieht er aus Mittelfranken, die Weingüter kennt er persönlich.

 

Weil Kaffee bislang noch nicht in der Region gedeiht, hat sich Klaus Friederich umgesehen. Was steckt eigentlich wirklich drin in der Kaffeetasse? Woher kommen die Bohnen, wer hat sie unter welchen Bedingungen angebaut? Meisterkaffee überzeugte ihn mit einem transparenten Konzept und einem hochwertigen Produkt: Cafe de Lagoa. Klaus Friederich freut sich über die neue Karte, die Tassen, das Regal und die Landkarte, die zeigt, woher der Kaffee kommt. Den Kaffee können seine Kunden direkt vor Ort bei ihm genießen – oder sich ein edles Päckchen mit nach Hause nehmen.

Sweetfactory

Klaus Friederich

Telefon: 08561-989291
Anschrift: Neuwiesenweg 9
84347 Pfarrkirchen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.