“Die Lkws sind unsere Visitenkarte”: Thomas Bauer und seine Arnstorfer Spezialtransporte

+++ Hier gibt’s Neues von Thomas Bauer+++

Auf dem weitläufigen Hof von Thomas Bauer stehen momentan drei Lkws. Der rote Lack glänzt in der Sonne und hebt sich stark vom tiefblauen Himmel ab. Im Laufe des Freitagnachmittags werden noch sieben weitere der Schwergewichte eintrudeln. Es ist ein warmer Herbsttag und Thomas Bauer steht mit einem Fahrer und seinem Disponenten zusammen und nimmt sich noch ein bisschen Zeit zum Ratschen. “Das Unternehmen ist wie eine größere Familie für mich,” wird er später sagen. Wenn Zeit dafür ist, wird Freitagmittag gemeinsam gegessen, alle sind per Du. “Das ist wichtig. So arbeitet man leichter zusammen,” ist sich Thomas Bauer sicher. Der 37-Jährige ist Chef der Bauer Spezialtransporte GmbH & CO.KG aus Arnstorf.

Zehn Fahrzeuge, zwölf Angestellte – “Tendenz steigend”

Seit mittlerweile sechs Jahren rollen die Lkws von Thomas Bauers Hof. In ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz hat das Unternehmen Kunden. “Von der Palettenware bis zum Schwertransport bis zu 90 Tonnen ist alles dabei,” sagt Thomas Bauer. Zehn Fahrzeuge, zwölf Angestellte, “Tendenz steigend, so wie’s ausschaut.” Der 37-Jährige sitzt auf der sonnigen Terrasse seines Vaters, der direkt am Firmengelände lebt. Denn auch Othmar Bauer ist Unternehmer, ihm gehört die Bauer Maschinenbau GmbH, die seit 1937 Sägemaschinen produziert. Das Bürogebäude teilen sich Vater und Sohn, ansonsten haben sich die beruflichen Wege der beiden getrennt.

 

“Ich hab zwar daheim Maschinenbaumechaniker gelernt. Aber das war einfach nicht meins,” erzählt Thomas Bauer. Der vorgegebene Weg passte nicht zu ihm, er hatte anderes vor. Was genau, wusste er zunächst nicht. Nach der Lehre kam erst mal der Grundwehrdienst. Und danach arbeitete Thomas Bauer mal daheim, mal in auswärtigen Firmen. “Ich hab’s oft probiert, hab’s mir nicht leicht gemacht,” sagt er. “Aber es gab immer wieder Reibereien. Das war eine echt schwere Findungsphase für mich.”

“Das war ein mühevoller Kampf am Anfang”

Bis der Gedanke auftauchte, sich mit einer eigenen Firma selbstständig zu machen. Und zwar mit einem Aufgabenfeld, das ihn selbst froh machen würde. “Wer selbstständig arbeitet und seine Arbeit nicht gern tut, ist zum Scheitern verurteilt,” ist sich Thomas Bauer sicher. Freilich hätte es der Vater gern gesehen, dass Thomas das Familienunternehmen weiterführt – zumal sein Bruder sich auch schon mit einer eigenen Idee selbstständig gemacht hatte. Othmar Bauer unterstützte jedoch beide Söhne, half Thomas mit der Finanzierung des ersten Lkw. “Heute passt es für beide Seiten. Mein Vater ist auch stolz auf mich, das weiß ich,” sagt Thomas Bauer und lächelt.

 

Der Weg war frei für Thomas Bauers Selbstständigkeit, nachdem er bei der IHK die Unternehmerprüfung für Speditionsgewerbe, “einen leichten Gesellenbrief”, bestanden hatte. Geplant war, sich zunächst auf das holzverarbeitende Gewerbe zu konzentrieren, im kleinen Rahmen. Über 600 Briefe verschickte Thomas Bauer, “das war das reinste Klinkenputzen.” Letztendlich kamen aber die Aufträge durch positive “Mundpropaganda” und schon bald erweiterte sich das Aufgabenspektrum auf weitere Branchen. “Das war schon ein mühevoller Kampf am Anfang,” erinnert sich Thomas Bauer. “Und eigentlich ist es das immer noch.”

“Meine Frau ist eine große Rückendeckung für mich”

Nicht zuletzt deshalb, da nicht nur immer Sommer sein kann. “90 Prozent unserer Aufträge hängen vom Baugewerbe ab,” sagt der 37-Jährige. Deshalb stellt sich in den kalten Monaten oftmals eine ruhigere Zeit ein. Dann nehmen sich viele Fahrer Urlaub. Thomas Bauer selbst gönnt sich eher keine Auszeit. “Ich hatte erst drei Wochen Urlaub – insgesamt seit 2010,” gibt er zu. Um sieben Uhr früh beginnen seine Arbeitstage, zwölf Stunden später ist meist Feierabend. “Und ich bin 24 Stunden erreichbar,” sagt Thomas Bauer. Das verlangt er von sich ab, da er sich seinen Fahrern gegenüber verpflichtet sieht, sollte es Probleme mit einem Transport geben. Das kommt schon immer wieder mal vor.

 

Wer so viel arbeitet, braucht dringend eine Familie, die das verstehen und verkraften kann. Mit so einem Glück ist Thomas Bauer gesegnet. Seine Frau Natalie arbeitet im Unternehmen mit, sie ist für die Buchhaltung zuständig. “Meine Frau ist eine große Rückendeckung für mich. Dafür bin ich sehr dankbar. Sie muss ganz schön viel aushalten,” sagt der Firmenchef. Und die 3-jährige Tochter Melina spielt oft im Büro. “Ich selbst bin auch im Büro aufgewachsen,” sagt Thomas Bauer. Wenn’s mal etwas lauter zugeht, sieht er das locker. “Mein Kind gehört zu mir, dazu kann ich ja wohl stehen. Und außerdem ist sie die Juniorchefin,” sagt er. Melina kennt die Fahrer, die Lkws, hat sogar ein eigenes Firmen-T-Shirt. Thomas Bauer erinnert sich an seine Kindheit: “Manchmal hat mich das schon sehr genervt, dass meine Eltern so wenig Zeit hatten.” Deshalb versucht er auch, bewusst anders mit seiner Tochter umzugehen. “Ich hoffe, mir gelingt das auch,” sagt er.

“Der Lastwagen vom Opa war auch rot”

Die Erlebnisse seiner eigenen Kindheit haben Thomas Bauer schließlich auch zu seinem Metier gebracht. Sein Großvater mütterlicherseits fuhr für die Firma Lindner Lkw. “Als Kind war ich da oft eine ganze Woche dabei und hab den Kindergarten geschwänzt,” erzählt er. “Mein Opa war wie ein Vater für mich.” Thomas Bauer bedauert es sehr, dass der Großvater nicht mehr miterleben durfte, was der Enkel aus seinem Leben gemacht hat. Eine Hommage an den Opa sind die roten Lkws der Firma. “Der Lastwagen vom Opa war auch rot,” sagt Thomas Bauer und schaut auf seinen Fuhrpark hinüber.

Langsam kommen immer mehr Lkws hinzu. “Mir ist wichtig, dass am Freitagnachmittag Schluss ist. Meine Fahrer haben auch alle Familie,” sagt Thomas Bauer. Der verständnisvolle Firmenchef freut sich über seine Angestellten. “Das sind alles gute Leute.” Er selbst ist nicht mehr ständig auf Achse. Die Zeiten sind vorbei. “Am Anfang war das was ganz anderes. Ohne Angestellte musste ich auch nicht so viel arbeiten. Jetzt trage ich Verantwortung,” sagt Thomas Bauer. “Man wächst da so hinein. Man wächst halt mit seinen Aufgaben.” Jetzt sieht er die Firma gut dastehen. Die Betriebsgröße schätzt er als gesund ein, schlechte Zeiten können überbrückt werden.

“Den gibt es nur ein paar Mal in ganz Deutschland”

Wenn Thomas Bauer was sagt, dann hat das Hand und Fuß. Er redet freundlich, besonnen, überlegt manchmal zweimal. Er ist kein Träumer und kein Verbissener. Um seine Augen herum lacht es, er ist ganz auf dem Boden der Tatsachen und es scheint ihm gut zu bekommen. Auf die neueste Anschaffung ist er besonders stolz: Der Vierachs-Lkw mit Ladekran hat gut 400.000 Euro gekostet, “dafür gibt es den nur ein paar Mal in ganz Deutschland.” Damit hat sich die Firma ein Stück weiter spezialisiert, kann nun die Lieferungen direkt auf- und abladen. Das gute Stück probiert Thomas Bauer auch erst mal selbst aus. “Ich verlange von meinen Angestellten nichts, was ich nicht auch selbst schon gemacht habe,” sagt der Chef.

 

Dazu zählt er auch die Sondertransporte, die nur umgangssprachlich als Schwertransporte bezeichnet werden. “Alles, was über drei Meter breit und 17 Meter lang ist, ist ein Sondertransport,” weiß Thomas Bauer. Und so ein Sondertransport kann nicht einfach nach Gutdünken erfolgen. Damit hängt viel Papierkram zusammen, den die Firma für den Kunden erledigt. “Der Kunde zahlt bei uns einen Festpreis, da ist alles dabei,” sagt Thomas Bauer. Die Ausnahmegenehmigungen erteilt das Landratsamt. “Das geht online. Mit den Jahren haben wir uns einen guten Namen erarbeitet, deswegen funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut.”

“Lkw-Fahrer sind Spezialisten”

Und auch mit der Polizei hat er viel zu tun. Die Freunde und Helfer müssen bei Sondertransporten oft voraus fahren, Straßen sperren, Schilder abmontieren. “Das sind hoheitliche Aufgaben, die wir nicht einfach selbst erledigen dürfen,” sagt Thomas Bauer. Aber auch hier klappt’s gut miteinander. “Die Polizei gibt blaues Licht – und wir geben dann gelbes Licht,” sagt der 37-Jährige und lacht – er spielt damit auf die blinkenden Lichter der Sondertransporte an. Meist fahren die Schwergewichte nachts, wenn weniger los ist. Aber auch dann kann es passieren, dass andere Verkehrsteilnehmer mal ein wenig warten müssen. “Oft reagieren die Leute sehr verärgert. Mit der Zeit legt man sich da aber ein dickes Fell zu und wird resistent gegen die Autohupe und Beschimpfungen,” sagt Thomas Bauer und fügt hinzu: “Den Zusammenhang verstehen die Leute oft nicht. Uns braucht’s halt, dass das Einkaufszentrum gebaut werden kann, wo sie dann auch shoppen gehen.”

 

Auch deshalb möchte er eine Lanze für die Lkw-Fahrer brechen: “Leider ist dieser Beruf in Deutschland nicht so hoch angesehen. Dabei sind das lauter Spezialisten: Sie müssen sich mit Frachtpapieren, Verkehr und Technik des Fahrzeugs auskennen.” Dazu kommen die Anstrengungen der Fahrt selbst. “In Norwegen, Schweden oder den Niederlanden ist das ganz anders. Da hat man Respekt vor einem Lkw-Fahrer.” Auch in diesen Ländern sind die Lkws der Bauer Spezialtransporte schon gerollt. In allen Ländern, die an Deutschland angrenzen eigentlich. “Aber wir haben schon im deutschsprachigen Raum genug zu tun,” sagt Thomas Bauer und wirkt recht zufrieden.

“Aus Fehlern kann man schließlich lernen”

Als “Kleiner” mit nur einem Lkw war er damals für Kunden sowie Konkurrenz wenig interessant. Heute sieht das anders aus. Thomas Bauer führt das auch darauf zurück, dass er selbst immer hinter allem steht, was er tut. Er kennt viele Kunden persönlich, der Kontakt ist ihm wichtig – ebenso wie die gute Zusammenarbeit mit anderen Speditionen. Und er legt Wert auf die Fahrzeuge: “Die müssen gepflegt ausschauen. Die Lkws sind unsere Visitenkarte. Mit einem gepflegten Lkw zeigen wir, dass wir auch mit der Ware gut umgehen.”

 

An seinen schwierigsten Transport erinnert sich Thomas Bauer noch gut: “Den hab ich selbst ausgemessen und ich bin ihn auch selbst gefahren.” Es galt, 48 Meter lange Blechbahnen von A nach B zu bringen – mit dem Lkw war die Fuhre ganze 54 Meter lang. “Dazu haben wir eine komplette Straßensperre gebraucht, es mussten Schilder abgebaut werden. Und wir mussten durch drei Kreisverkehre,” erzählt der groß gewachsene Mann. Der Transport raubte ihm schon Nächte vorher den Schlaf. “Letztendlich hat aber alles funktioniert,” sagt er. Immer ist das nicht so, auch den Profis passieren noch Fehler. “Bei einem Spezialtransport mit 36 Metern Länge haben wir eine Straßenlaterne umgefahren,” erzählt Thomas Bauer. Er zuckt mit den Schultern, sagt bewusst “wir”. Auf keinem seiner Fahrer lässt er was kommen. Und Fehler passieren nun mal. “Ich hab selbst schon viele Fehler im Leben gemacht,” gibt er offen zu. “Aber daraus kann man schließlich lernen.”

“Ich bin ein eingefleischter Arnstorfer”

Neben all der Arbeit bleibt nicht viel freie Zeit für Thomas Bauer. Ein Hobby möchte er sich aber nicht verkneifen: Er ist bei der Feuerwehr. Da kann es schon mal sein, dass die Kundschaft ein bisschen warten muss, wenn der Piepser geht. “Im Büro geht das schon, auf der Straße natürlich nicht,” sagt Thomas Bauer. Früher war er außerdem bei der Wasserwacht als Rettungstaucher und ehrenamtlich im Rettungsdienst. Das geht sich heute zeitlich nicht mehr aus. Aber die Feuerwehrarbeit ist ihm wichtig, da ist ein großer Teil seines Freundeskreises, das ist ein Stück Heimat. Und die bedeutet Thomas Bauer alles: “Ich bin ein eingefleischter Arnstorfer und das wird immer so bleiben.”

Neues von Thomas Bauer

Im Jahr 2016 habe ich Thomas Bauer besucht und er hat mir die Geschichte seines Spezialtransportunternehmens erzählt. Innerhalb von nur zwei Jahren hat die Firma einen gewaltigen Schritt nach vorn gemacht: Heute rollen 20 Lkws vom Hof in Arnstorf, der mittlerweile viel zu klein geworden ist. „Wir suchen händeringend nach einem neuen Grundstück mit mindestens 10.000 Quadratmeter. Jetzt sind wir am Anschlag – wir wollen und können uns aber noch weiter vergrößern,“ sagt Thomas Bauer. Sogar in Berlin hat der 39-Jährige eine „bewegliche Niederlassung“ mit vier Lkws samt Fahrern. Dazu kommt Verstärkung im Arnstorfer Büro: Neu mit im Team ist Stefan Zeller, „der zweitwichtigste Mann. Ein Goldgriff, mit dem mich eine tiefe Freundschaft verbindet,“ sagt der Firmenchef. Dazu kommt Vanessa, die erste Auszubildende im Betrieb. Die 20-Jährige ist bereits Einzelhandelskauffrau und legt jetzt mit der Speditionskauffrau eine weitere Ausbildung drauf. „Sie wird unter anderem einen Instagram-Account für uns einrichten,“ verrät Thomas Bauer und lacht. „Ich wusste bis vor kurzem nicht, dass Instagram so gut ankommt.“ Die Fotos der Lkws und Transportfahrten werden schon auf Facebook gut geklickt – über 5.200 Fans zählt die Seite inzwischen.

Derzeit fahren 19 Männer für Bauer Spezialtransporte GmbH & Co.KG. „Zwischen meinen Leuten herrscht große Harmonie. Übrigens suchen wir laufend neue Fahrer oder Fahrerinnen,“ sagt der Firmenchef und freut sich. Die Auftragslage sowie die Professionalität und Routine des Unternehmens haben sich gesteigert: „Mittlerweile haben wir Aufträge, an denen 400 bis 500 Ladungen dranhängen. Spezialtransporte, die vor zwei Jahren noch was Besonderes waren, sind mittlerweile an der Tagesordnung.“ Thomas Bauer lehnt sich zurück, bezeichnet sich selbst als tiefst glücklich. Sein Stresslevel ist nach wie vor hoch und die Arbeitstage sind immer noch ordentlich lang, mittlerweile hat sich aber alles gut eingependelt. „Dank Stefan Zeller kann ich es mir jetzt erlauben, an einem Freitag mal nicht da zu sein. Und ich fahre jetzt mit meiner Familie in den Urlaub, was es zuvor ewig nicht gab,“ sagt Thomas Bauer. Seine Frau Natalie, Tochter Melina und der kleine Sohn Felix freuen sich gewiss über das Mehr an Papa. Inzwischen rollen immer mehr Lkws auf den Hof, es ist Freitagnachmittag, das Wochenende naht. „Darüber freue ich mich nach wie vor. Schön ist das, wenn alle Fahrer zurückkommen und der Hof voll steht,“ sagt Thomas Bauer und schaut nach draußen.

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Bauer Spezialtransporte GmbH & Co. KG

Thomas Bauer

Anschrift: Mariakirchener Straße 19
94424 Arnstorf

4 Kommentare

  1. Scheene Gschicht! Jetzt ko ma si gfrein, wenn ma an rotn LKW siagt…a wenn ma a weng wartn oder langsamer fahrn muaß.

    Weiterhin vui Glück und allzit guade Fahrt!! – und machans (a weng) mehr Urlaub!!!

  2. Bei den Fuhrpark hätte sich der Pöbel Schoß wirklich sehr gefreut und wäre wahrscheinlich selber noch gefahren. Mein Vater der Haider Sepp ist mit Schoß beim Lindner jahrelang gefahren, daher kannte ich den Opa gut. Der wäre mächtig stolz! MfG Stefan Haider

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