Tierheilpraktikerin Yvonne Gratz – Von Hund, Katz und dem sechsten Sinn

Irgendwo zwischen Falkenberg, Schönau und Hebertsfelden liegt Großwies, neben Kleinwies, gleich hinter Guglmucken, Stößlöd und Kuglmehring, je nachdem, woher man anreist. So ist das im Rottaler Land der kleinen Weiler. In dieser Idylle lebt Yvonne Gratz. Sie zählt 30 Lenze und hat gerade eine andere Richtung in ihrem Leben eingeschlagen.

Ein größeres Händchen für Tiere

Yvonne Gratz ist gelernte Marketingkauffrau. Lange hat sie im Messe- und Veranstaltungsmanagement gearbeitet, bis sie von einer persönlichen Krise eingeholt wurde. „Ich habe mich gefragt: Erfüllt mich das noch? Und die Antwort war ein ganz klares Nein,“ erzählt sie. Die logischen Folgefragen lauteten: „Was will ich dann? Wo will ich hin?“ Yvonne Gratz wagte es, in eine ganz andere Richtung zu denken – zu ihren Herzensinteressen. Sie dachte an eine Ausbildung zum Humanheilpraktiker, Schwerpunkt Psychotherapie. Bis ihr eine nahestehende Person sagte, dass sie doch für Tiere ein viel größeres Händchen habe…

Und so kam es, dass sich Yvonne Gratz für eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin entschied. Neben dem Jobwechsel zum European Campus in Pfarrkirchen, wo sie für Marketing, PR und Veranstaltungen zuständig ist, beschäftigte sich Yvonne Gratz mit Anatomie, Krankheiten, Physiologie. „Im Oktober 2014 habe ich mit dem ‚Grundstudium‘ begonnen,“ sagt sie. An den Wochenenden pendelte sie nach Holzkirchen, wo der Grundkurs bei einer Tierärztin stattfand. Die persönliche Krise war überstanden. Yvonne Gratz fühlte sich immer besser. „Der Teilzeitjob am Campus passt total. Die Studiengänge interessieren mich und es ist einfach ein gutes Umfeld,“ sagt sie. „Und die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin war die beste Entscheidung überhaupt.“

„So haben die Tiere keinen Transportstress“

Hündin Lola tappt zu Frauchen, legt sich friedlich seufzend zu ihren Füßen. Sie ist ein einstiger Straßenhund, kommt aus Moldawien. Yvonne Gratz hat sie im Internet gefunden. Der Tierschutzverein Nürnberg hat sie ihr vermittelt, seit 2013 lebt sie in Großwies. „Daheim ist Lola ganz entspannt, auswärts ist sie schnell überfordert,“ erzählt Yvonne Gratz. Währenddessen hüpft Katze Coco auf meinen Schoß und lässt sich kraulen. „Coco und Mia sind Schwestern, zwei Findelkatzen. Sie waren schon vor Lola bei uns. Und Tiger ist schon elf, er ist erst seit letztem Jahr hier. Das war ein Freundschaftsdienst,“ sagt Yvonne Gratz. „Erst hatte Tiger Angst vor Lola, heute gibt er ihr Köpfchen.“ So wie sie von ihren Tieren spricht, klingt das nach viel Verständnis und Liebe, ihr Blick spricht selbiges.

Nach dem bestandenen Grundkurs musste sich Yvonne Gratz für einen Schwerpunkt entscheiden: Akupunktur oder Homöopathie? Sie tendierte zur Homöopathie, der Kurs kam aber nicht zustande. „Das hat trotzdem genau gepasst,“ sagt sie. In Fahrenzhausen bei München lernte sie alles über Akupunktur. Die Prüfung bestand sie im Juni 2016, einen Monat später eröffnete sie ihre eigene Praxis. Und zwar nicht in Großwies – Yvonne Gratz ist mobil. Sie kommt zu ihren vierbeinigen Patienten nach Hause. „Die Tiere haben keinen Transportstress und ich erlebe sie in ihrer gewohnten Umgebung ganz unverfälscht,“ sagt die Tierheilpraktikerin. „So kann ich sie besser einschätzen und lerne auch ihr Umfeld kennen.“

„Das Problem ist der Leistungsdruck“

Parallel zu ihren ersten Praxiserfahrungen belegte Yvonne Gratz zusätzlich den Homöopathie-Kurs, wieder an den Wochenenden, diesmal in Geisenhausen bei Landshut. Erst vor ein paar Wochen hat sie die Prüfung mit Bravour bestanden. „Akupunktur und Homöopathie ergänzen sich sehr gut – manche Tiere sprechen auf die eine, manche auf die andere Methode besser an,“ sagt sie. Zu ihren Patienten zählen hauptsächlich Hunde und Katzen, aber auch Pferde und Rinder hat sie schon behandelt. „Die Menschen reagieren immer aufgeschlossener gegenüber alternativen Heilmethoden,“ sagt Yvonne Gratz aus Erfahrung.

„Oft helfen schonende Alternativen. Dazu braucht man halt ein wenig mehr Geduld – dafür sind sie meist nachhaltiger.“ Sie selbst kommt ebenfalls ohne Chemie aus und behandelt sich nach Möglichkeit selbst. „Manchmal halte ich Kopfschmerzen auch einfach aus und schone mich entsprechend,“ sagt sie. Was zunächst befremdlich klingt, regt zum Nachdenken an: „Das Problem ist der Leistungsdruck von außen. Von den Arbeitgebern gibt es oft kein Verständnis, wenn man mal nicht so funktioniert.“ Sie selbst hat an sich beobachtet, dass sie in stressigen Phasen mit Kopfschmerzen reagiert. „Dann bremst mich mein Körper aus und verordnet mir die Ruhe, die ich brauche.“

„Wir übertragen viel auf unsere Tiere“

Und woher kommen die Probleme bei Tieren? Yvonne Gratz führt die artgerechte Haltung der vierbeinigen Begleiter an. „Wenn ein Hund den ganzen Tag allein ist, ist er gelangweilt und unterfordert. Das ist nicht artgerecht,“ sagt die Tierheilpraktikerin. Und sie hat ihre eigene Theorie: „Da Haustiere unmittelbar mit uns zusammenleben, übertragen wir viel auf sie. Tiere nehmen uns oft ein Stück unserer Lasten ab.“ Was esoterisch klingen mag, hat sich ihrer Erfahrung nach schon mehrmals bestätigt. Sie erzählt von einem Fall, bei dem Besitzerin und Katze gemeinsam an Diabetes litten und von einem anderen Herrchen, das zeitgleich mit seinem Hund Probleme in der Schulter hatte.

Reiner Zufall? Yvonne Gratz glaubt nicht daran. Sie weiß: „Tiere haben viel sensiblere Antennen als Menschen. Sie sind noch mehr von ihren Instinkten gesteuert, haben den sechsten Sinn.“ Zu diesem haben die Menschen ein Stück weit den Bezug verloren. Und doch beeinflusst er durch das Zusammenleben, durch den engen mentalen und körperlichen Austausch, sein Tier erheblich. „Viele Besitzer vermenschlichen ihr Tier, sehen es als Kind- oder Partnerersatz. Das stresst die Tiere,“ sagt Yvonne Gratz. Und Stress begünstigt nicht nur beim Menschen Krankheiten. „Darum tragen wir für uns und unsere Tiere Verantwortung. Der Weg des geringsten Widerstands ist bequemer – aber ohne Selbstreflexion geht’s nicht.“

„Die Tiere wissen, dass ich ihnen Gutes will“

Für die Herangehensweise der Tierheilpraktikerin zeigen sich immer mehr Menschen aufgeschlossen. Nach einem Jahr Praxis wird sie schon weiterempfohlen. „Zu mir kommen ganz unterschiedliche Menschen – aber fast alle haben einen Bezug zur Naturheilkunde. Und mich erreichen viele Anfragen über Facebook,“ sagt Yvonne Gratz. Lola entspannt sich in der Nähe des Frauchens, die Katzen haben sich zurückgezogen. Und Yvonne Gratz erzählt noch ein bisschen aus ihrem Praxisalltag.

Wie auch Humanheilpraktiker arbeitet sie nach dem Hausbesuch die Mittel aus – das heißt: Je nach Symptomatik und Gesamtverfassung des Tiers sucht sie ein geeignetes homöopathisches Mittel, das sie in Form von Globuli verabreicht. Wichtig ist dabei das Feedback vom Halter. Entscheidet sich Yvonne Gratz für eine Akupunktur, sucht sie mittels TCM-Diagnostik die geeigneten Punkte, in die sie dann die feinen Nadeln sticht. „Die meisten Tiere entspannen sich nach der ersten Nadel total. Und sie zeigen auch an, wann eine Nadel fertig ist,“ sagt die Expertin. Fertig ist eine Nadel dann, wenn sie der Körper verarbeitet hat uns sie sich leicht oder von selbst aus der Haut löst. „Ich habe das Gefühl, die Tiere wissen, dass ich ihnen Gutes will,“ sagt Yvonne Gratz. Freilich behandelt sie auch ihre eigenen Tiere: „Ich merke schon an Feinheiten, wenn was nicht passt. Am Fell und an den Krallen zum Beispiel, genauso wie am Gemütszustand“

Sport: „Drei- bis viermal die Woche, komme was wolle“

Bei ihr selbst hat auch mal „was nicht gepasst“ – gelinde gesagt. Mit knapp 26 hatte sie einen Bandscheibenvorfall, eine „Watschn“, die sie wachgerüttelt hat, wie sie selbst sagt. Seitdem hat sich ihre Einstellung zu Sport und Ernährung grundlegend geändert. Im TZ in Eggenfelden bekam Yvonne Gratz Physiotherapie verordnet – daraus wuchs ihre heutige Leidenschaft zum Crossfit- und Krafttraining. Heuer geht sie mit ihrem TZ-Team zum zweiten Mal beim Xletix in München an den Start. Sport muss sein. „Drei- bis viermal die Woche, komme was wolle. Das ist mein Ausgleich,“ sagt Yvonne Gratz.

Sie beugt sich zu Lola, streichelt sie. Ihr rechter Arm ist von der Schulter bis zum Handgelenk tätowiert. „Das ist mein Tierheilpraktikerarm,“ sagt sie und lacht. Der Tiger und der Wolf stehen für die wilden Ahnen von Katze und Hund. Und die vielen Pflanzen rundherum sind Heilpflanzen wie Löwenzahn, Salbei, Zwiebel und Hagebutte. Ihr Körperkunstwerk ist auch ein Dankeschön an ihre eigenen Tiere: „Sie haben meinen Weg mit ihrer Ursprünglichkeit und ihren Instinkten mitbereitet.“

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Tierheilpraxis Yvonne Gratz

Yvonne Gratz

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Anschrift: Großwies 1a
84332 Hebertsfelden

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