Mein Gsicht

Ein Selbstgespräch taugt gut, um mehr über sich selbst herauszufinden. Und Sie, liebe Leser, erfahren hier auch gleich, wer hinter rottalergsichter.de steckt. Praktisch.

Wer bist Du denn eigentlich?

Ich bin Eva Hörhammer.

Und wer ist sonst noch für die Rottaler Gsichter verantwortlich?

Derzeit niemand. Das schaffe ich alleine – noch.

Warum hast Du das Onlinemagazin gegründet?

Ganz persönlich: Mit den Rottaler Gsichtern habe ich dem Wunsch nach Selbstständigkeit nachgegeben. Hier kann ich alles machen, was mein Herz begehrt: Zeit mit Menschen verbringen, fotografieren, schreiben. Da ich mir sicher bin, dass sich Menschen immer für andere Menschen interessieren werden, sind die Rottaler Gsichter für mich ein großartiges Projekt. Ich möchte zeigen, dass es ganz vielfältige Lebensentwürfe gibt. Keine Geschichte gleicht der anderen – ganz ohne Wertung. Die Rottaler sind somit alle einzigartig und überhaupt nicht vergleichbar – “den Rottaler” gibt es also gar nicht. Die Rottaler Gsichter sollen den Blick auf das Menschliche lenken. Toleranz und Mitgefühl sind Werte, ohne die unsere Gesellschaft nicht bestehen kann. Die Portraits sollen Mut machen, den eigenen Weg zu gehen – das gilt gerade auch für die Firmenportraits. Von den Rottaler Unternehmen können wir lernen, dass es sich immer lohnt, seinen eigenen Weg zu gehen. Die Portraits veranschaulichen wunderbar, dass eigene Ideen nicht nur im Kopf gut aufgehoben sind. Wir alle können uns selbst und unsere Umgebung bereichern.

Warum kannst Du das – ein Onlinemagazin betreiben?

Weil ich an mein Projekt glaube. Und natürlich, weil ich das Handwerkszeug mitbringe. Ich bin ausgebildete Redakteurin und diplomierte Soziologin. Ich kenne mich also ganz offiziell mit dem Schreiben, Fotografieren und mit Menschen aus. Daneben bin ich eine gute Zuhörerin. Und ich liebe Menschen!

Wo kommst Du selbst eigentlich her?

Ich bin in Pfarrkirchen geboren und in Bayerbach, am östlichsten Zipfel des Rottals, aufgewachsen. In einer kleinen Siedlung, der Au, mit einem großen Garten voller Hühner, Tauben, Hasen und Meerschweinchen. Meine Großeltern hatten damals noch ihre Metzgerei, wo es immer mal eine Scheibe Schwammerlwurst oder eine Capri-Sonne für mich gab. Ich bin als Kind gern mit dem Hund zur Rott spazieren gegangen, habe im angrenzenden Feld “Archäologin” gespielt, dabei Hufeisen und Golfbälle zutage gefördert oder war mit meinen Eltern im Wald am Steinberg unterwegs. Ich war hauptsächlich draußen. Schön war das schon!

Hast Du auch schon mal außerhalb des Rottals gewohnt?

Aber freilich. Als die Idee der Rottaler Gsichter geboren wurde, hab ich mit meiner kleinen Familie sogar noch im Bayerischen Wald gelebt, in der Gemeinde Grainet, die liegt zwischen Waldkirchen, Freyung und dem Dreisessel-Berg. Mich hat’s aber wieder ins Rottal zurückgezogen – wie das immer wieder der Fall war. Zu Studienzeiten habe ich in Regensburg und Bamberg gelebt. Und danach auch mal einen kurzen Abstecher nach München gemacht. Zwischenzeitlich habe ich in Wolfakirchen und Pfarrkirchen gewohnt. Insgesamt muss ich an die zwölf Mal umgezogen sein. Das langt jetzt hoffentlich mal.

Das Ländliche ist momentan ziemlich “in”. Das beweisen nicht nur die vielen “Land”-Magazine in den Zeitungsregalen. Warum setzt Du auf die Region?

Weil ich selbst die Erfahrung gemacht habe, dass die Stadt nicht das Nonplusultra ist. In der Stadt muss ich viel mehr kämpfen. Um Jobs, um Wohnungen, um einen qualitativ hochwertigen Lebensraum, um einen Platz in der U-Bahn und um jedes freundliche Lächeln. Ich mag diese Schnelligkeit und Anonymität nicht – außerdem sind diese Aspekte im täglichen Leben ohnehin auch schon auf dem Land zu beobachten. Ich setze auf die Region, weil ich weiß, dass sie alles hat, was man zum guten Leben braucht. Hier sind liebenswerte Menschen, hier gibt es interessante Unternehmen, es gibt ein gutes kulturelles Angebot – und hier leben viele Leute, die das genau wissen.

Wer ist der Rottaler?

Genau das möchte ich mit den Rottaler Gsichtern herausfinden. Ich glaube nicht an Stereotype, auch wenn man immer sagt, dass in einem Landstrich ein gewisser Menschenschlag lebt. Ich glaube sogar, dass es gefährlich ist, wenn man verallgemeinert und von “den Rottalern”, “den Waidlern” oder “den Österreichern” spricht. So entsteht letztendlich Rassismus. Jeder Mensch ist einzigartig und muss die Chance haben, das zu zeigen. Wer anderen mit Vorurteilen begegnet, verbaut sich selbst viel: Die Erfahrung, liebenswerte Menschen kennen zu lernen. Wo auch immer die herkommen.

Eva Hörhammer – rottalergsichter.de

Foto: Rupert Rieger