Johnny & The Yooahoos: Ein Ausruf der Freude!

Irgendwann kurz nach dem zweiten Lockdown, zwischen Frühling und Sommer, da treffen wir uns mit den fünf Jungs von Johnny & The Yooahoos in einem kleinen Nest bei Altötting. Sie sind sowas von bereit, endlich wieder zu spielen, sich auch endlich wieder zu treffen, zu proben, Neues zu ersinnen. Nein, es hat sich nicht gut angefühlt, dieses letzte halbe Jahr, erstarrt und verdammt zum Nichtstun, nicht gehören und gesehen zu werden. Diese Lethargie war es wohl, die auch mich erfasst hat, so dass ich erst jetzt dieses Bandportrait schreiben kann – ja, kann. Da ich mit vielen Kulturschaffenden zu tun habe, habe ich dieses Gefühl unmittelbar mitgespürt – wie ein dickes, schweres Tuch lag es über einem ganzen Menschenschlag, der doch genau für’s Gegenteil steht. Für ein lebendiges Miteinander, für frohen, freien Ausdruck, für das, was uns zu Menschen macht.

Selfmade Bluegrass aus Oberbayern

Und auch, wenn es nun schon wieder passiert ist, wenn nun erneut ein erzwungener Winterschlaf auf uns zukommt, schieben wir das Tuch nun für einen Augenblick beiseite und lernen Johnny & The Yooahoos kennen. Zu viert machen sie Musik – und was für welche! Bluegrass ist das, mit eigenen Texten und hin und wieder einem sagenhaften Cover. Bastian und Jonas spielten schon vorher gemeinsam in einer Rockband, Berni in einer Texas-Blues-Band. 2014 gründeten sie eine ganz spezielle Formation namens Karakorum, die sich dem Kraut- und Progressiverock verschieben hatte. Bis Basti auf die Bluegrass-Schiene geriet…

So kam es, dass sich Johnny eine Mandoline zulegte und das Jammen und Proben seinen Lauf nahm. 2017 kam die Band ins Rollen, hatte ihren ersten Auftritt im Plattenzimmer. Wer Johnny ist, wissen wir, warum die anderen drei Jungs sich Yooahoos nennen, nicht. Warum? Kurzes Schweigen, zunächst verlegenes, dann doch herzliches Lachen. „Yooahoo ist ein Ausruf der Freude,“ sagt Berni pragmatisch. Warum ausgerechnet Johnny namentlich im Vordergrund steht? „Der war anfangs so schüchtern, dass wir ihn ein wenig pushen mussten,“ sagt Berni nickend. Johnny grinst dazu auf eine Art und Weise, die klar macht, dass die Schüchternheit mittlerweile der Vergangenheit angehört.

Berni: „Besondere Leute, eine dreckige Boatzn“

Berni Huber, 30:
„Ich hab schon als kleines Kind Musik gemacht und mit elf begonnen, klassische Gitarre zu spielen. Mein Papa hat auch in einer Band gespielt, Tanzmusik. Schnell hat sich meine erste Band zusammengewürfelt. Das hat sich auf Hans-Söllner-Covers konzentriert. Auch bei Festivals als Vorband. Irgendwann hat uns Hans mal zugehört und gesagt: ‚Spitze, Jungs!‘. Ich erinnere mich auch noch an einen sagenhaften Auftritt bei einem total crazy Wirt. Da flogen BHs auf die Bühne und am Ende hat der Wirt selbst die Motorsäge angeschmissen und gebrüllt: ‚I schneid Euer Zeug zamm, wenn ihr aufhört!‘ 2019 haben wir viel gespielt. Da erinnere ich mich an einen Gig in der Schweiz, wo wir bei einem Bluegrass-Festival gespielt haben und die Leute gleich bei der ersten Ballade weinen mussten. Und wisst Ihr noch, Kufstein – da dachten wir, keiner würde kommen und am Ende war’s ausverkauft! Es wird sowieso immer alles am Besten, wenn man keine Erwartungen hat. Besondere Leute, eine dreckige Boatzn, wenn wir die Songs gut hinkriegen – mehr braucht’s gar nicht.“

Jonas: „Basti ist wie die russische Klavierlehrerin“

Jonas Kollenda, 29:
„Als ich acht Jahre alt war, wollte ich nicht unbedingt Klavier spielen lernen, vor allem nicht bei dieser resoluten russischen Klavierlehrerein, aber meine Eltern hielten das für eine gute Idee. Jetzt bin ich ihnen enorm dankbar dafür. Mit 13 Jahren hab ich auf akustische und E-Gitarre umgeschwenkt und als in der Schülerband ein Bassist fehlte, bin ich zum Bass gekommen. 2009 kam der Kontrabass dazu. Die Beatles, die Stones, Rock, Blues, Pop, Folk, Country haben mich beeinflusst. Dazu hab ich immer Klassik gehört und ich finde auch, dass der beste Zugang zu einem Instrument erst mal der klassische Weg ist. Irgendwann bin ich auch noch in ein Orchester reingerutscht. Und heute ist Basti manchmal wie meine russische Klavierlehrerin. Er zeigt eine gesunde Strenge, ruft zur Disziplin auf.“

Basti: „Gesang ist das intimste Instrument“

Basti Schuhbeck, 25:
„Ich studiere im achten Semester Musiklehramt, habe eine Ausbildung zum Instrumentallehrer. Begonnen hab ich mit Schlagzeug – mein Papa ist auch Schlagzeuger, spielt in einer CCR-Cover-Band. Später hab ich noch Klavier, Gitarre und Banjo gelernt, autodidaktisch. Mit zwölf, 13 landete ich in der ersten Band, hab notgedrungen gesungen. Ich singe zwar schon immer für mich selber, aber live zu singen, ist immer noch eine kleine Überwindung für mich. Gesang ist das intimste Instrument.“

Johnny: „Ich will mithalten können“

Johnny Schuhbeck, 22:
„Beim Singen bist Du halt nackt. Daheim sind bei uns lauter Instrumente rumgelegen, da hab ich halt auch irgendwann an der Gitarre rumgezupft, musikalisch alles aufgeschnappt, bin hinterhergedackelt. In der Grundschule hab ich Blockflöte gespielt, am Gym E-Bass – aber beides nicht lange. 2014 hab ich die Mandoline ausprobiert – und ich bin immer noch dabei, sie zu beherrschen. Ja, ich hab vom großen Bruder viel Druck verspürt und will mithalten können.“

Beim Erzählen lachen die Vier viel, sagen viel ironisch, nehmen sich gegenseitig auf den Arm, obwohl schon immer auch ein gewisser Ernst dabei ist. Beim Bluegrass sind sie schließlich gelandet, weil sie es schön fanden, mehrstimmig zu singen, weil sie die Musik der 60er und 70er mögen, CCR eben, John Fogerty, all das. „Wir haben echt Glück, uns gefunden zu haben,“ sagt Basti ganz ohne Unterton. „Bluegrass mag ja nicht jeder und schon gar nicht in unserem Alter. Außerdem – find mal Leute, die Kontrabass, Banjo und Mandoline spielen.“ Berni, Jonas und Johnny nicken, bevor sie sich beim Thema Glauben wiederfinden.

Thema Schafkopf: „Darum sind wir ein Quartett“

Wie kreuzbrave Ex-Ministranten wirken sie wirklich nicht, dennoch ist es ihnen ernst damit. Bluegrass und Gospel liegen nah beinander und noch vor der Pandemie haben sie eine Gospel-EP aufgenommen. Spirituelle Songs, teils selbst geschrieben, teils traditionell. Wie geht das denn eigentlich mit der Entstehung von Songs? „Basti und Johnny schreiben. Das Arrangement und Feintuning ergeben sich beim Spielen,“ sagt Jonas. Ja, das Spielen… 2019 standen sie jedes Wochenende auf sämtlichen Bühnen, dazwischen wurde noch geprobt. Auch in diesem Sommer spielten sie, was halt ging. Und wenn es nicht geht, sind sie halt Freunde, die für sich Musik machen, auch mal ein Bier trinken und unbedingt Schafkopfen. „Darum sind wir ja ein Quartett – damit wir Karteln können,“ sagt Berni mit einem Lachen.

Was die Band an Gagen einnimmt, wird immer gleich investiert, wie das halt so ist. Aufnahmen, Videos, Zubehör, da bleibt nichts hängen. „Aber wir sparen auch viel Geld. Essen, Benzin, Übernachtung – das ist essentiell und wird meist gesponsert,“ wirft Jonas ein. Abgesehen davon, dass es schön wäre, von der Musik noch ein wenig ausführlicher leben zu können, tut es aktuell nicht Not. Berni ist Maschinenmechaniker, „ich arbeite als Einziger.“ Die anderen lachen. Jonas ist Realschullehrer für Mathe, Physik, IT, „ein schöner, krisensicherer Job.“ Johnny studiert am TUM Campus in Straubing Nachwachsende Rohstoffe und jobbt beim Griechen. Und was Basti macht, wissen wir schon, er studiert Musiklehramt.

Ausblick: „Viel Unsicherheit und Unbehagen“

Mit einer ausgiebigen Jamsession endet der Abend, wir sitzen auf dem Treppenabsatz im Haus, das Basti grade renoviert und bald mit seiner Freundin einziehen möchte. Die Jungs spielen, was das Zeug hält, mal rasend schnell, dann wieder rhythmisch langsam im Walzertakt. Dazu singen sie, mal gemeinsam, mal nur Basti oder auch Berni mit tiefgehender Stimme. Das zieht in den Bann, da wippen sie Füße automatisch, da ist so viel Spielfreude fühlbar, so viel Emotionales, das sich möglicherweise auch ein wenig aufgestaut hat. Und jetzt? Wie geht es den Johnnys jetzt? Ich frage mal geschwind nach:

Wie war Euer Sommer – was habt Ihr erlebt?

Ein paar richtige schöne Gigs, erste kleine Touren (drei Tage am Stück) und auch erste kleinere Festivals, zum Beispiel das Free Tree in Österreich. Top Erfahrung, da die damals im Gegensatz zu Deutschland schon 2G hatten und man sich auf dem Festival „wie früher“ gefühlt hat!

Wie sind die aktuellen Aussichten?

Vereinzelt Buchungen für’s nächste Jahr, eine komplett aufgenommene und gemischte EP haben wir in der Pipeline, wo zwei Singles schon releaset sind und bald die dritte kommt, generell viel Unsicherheit und Unbehagen!

Ja – wie geht es Euch?

Teils, teils. Ein paar von uns sind die erneuten Gigausfälle ganz gelegen gekommen, da privat grad viel ansteht (Berni renoviert und zieht um seit Monaten). Den zwei Studis (die zu viel Zeit zum Nachdenken haben) geht’s eher weniger gut, einfach weil das regelmäßige Musizieren jedes Wochenende, sei’s ein Auftritt oder nur Probe, den nötigen Ausgleich gegeben hat und der fehlt ja jetzt mal wieder komplett. Ich finde die Aussichten dahingehend auch immer finsterer, da ich mir mit der Musik während dem Studium auch beruflich was aufbauen wollte, und das rückt immer weiter weg. Motivation, irgendetwas zu machen, ist immer öfter gleich Null, auch obwohl genug Ideen da wären. Aber naja, man muss ja immer dazusagen, dass eigentlich alles gut ist, weil alle körperlich gesund sind – aber die Aussage bin ich mittlerweile auch leid. Wie es einem wirklich geht, wird ja nirgends thematisiert und beschweren darf man sich ja nicht.


Halt – da war noch was: Dieses Video möchte ich Dir nicht vorenthalten  – schaut mal rein und schenkt auch den anderen Werken der Johnnys Beachtung. Ich bin mir sicher – es wird ein Wiedersehen geben. Im nächsten Jahr, vielleicht bei Rottaler Gsichter und DU…

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