Die Brüder Raphael und Dominik Bock: “Wir arbeiten nachhaltig”

Raphael und Dominik Bock sitzen in ihrem Büro, entschuldigen sich für ihr kreatives Chaos, trinken Kaffee und erzählen begeistert von ihrem Schaffen. Die beiden Brüder sind die Chefs von BB Plastpack – ein Eggenfeldner Unternehmen, das sämtliche Lösungen für Kunststoffverpackungen anbietet. Kunststoff, das wissen die Firmenchefs, ist nicht erst ein heikles Thema, seit eine breitere Öffentlichkeit auf das Thema sensibler reagiert. Genau darum legen Raphael und Dominik die Karten gleich auf den Tisch.

“Beim Stichwort Plastik reagieren die Leute sehr sensibel. Dabei muss man schon etwas genauer hinschauen,” sagt Raphael. “Von unseren Verpackungen sieht der Endverbraucher in der Regel nichts. Unsere Kunden sind Firmen – und die wollen wiederverwendbare Lösungen.” Das heißt: Die Plastikverpackungen, die BB Plastpack bis in alle Welt verlassen, werden viele Male wiederverwendet, um hochwertigste Bauteile aus den verschiedensten Branchen sicher zu transportieren. Endverbraucherverpackungen werden kaum gefertigt.

1998: Beginn in der Alten Schuhfabrik

Auf Recycling legen die Brüder viel Wert: All das, was an “Müll” anfällt, wird an den Hersteller zurück geliefert, der das Ganze granuliert und wieder aufarbeitet. “Wir bieten zu 98 Prozent Einstofflösungen, die wieder aufgearbeitet werden können,” sagt Dominik, der schon ein wenig genervt ist, dass er immer in einer gewissen Verteidigungshaltung sein muss. Pauschal Stempel zu verteilen, das geht halt nicht. Schön, dass ein kritisches Bewusstsein gewachsen ist, aber das muss halt auch in die Tiefe fragen können, anstatt bei einem Reizwort gleich Urteile zu fällen.

Gegründet wurde BB Plastpack zu einer Zeit, in der dieses Bewusstsein nur vage vorhanden war: 1998 war das, als der Vater und der Onkel die Firma aus der Not heraus erfanden. Ihr vorheriger Arbeitgeber, eine Eggenfeldner Schokoladenfabrik, wechselte den Standort und die Bocks wollten nicht mit. Familie, Freunde – war ja alles hier. Also schufen sie selbst ein Unternehmen – das Thema Verpackung kannten sie ja schon aus dem Schokoladensektor. Zunächst waren sie in der Alten Schuhfabrik angesiedelt, seit 2005 im Rolle Gewerbepark – mittlerweile im Gewerbepark Mitterhof. Raphael und Dominik haben in den Ferien schon immer in der Firma mitgearbeitet.

Dass sie selbst einmal das Familienunternehmen übernehmen würden, war nicht für beide klar. “Ich wusste schon, dass es in die Richtung gehen würde,” sagt Dominik, der mit seinen 38 Jahren der Ältere ist und ein wenig ruhiger wirkt als sein fünf Jahre jüngerer Bruder Raphael, der offen heraus sagt: “Ich wusste lange nicht, was ich wirklich wollte.” Dominik machte nach der Schule zunächst eine Ausbildung zum Bürokaufmann in der Biozentrale in Wittibreut. Nach der Ausbildung begann er ein BWL-Studium in Weiden. Als “Auffangbecken” für alle Unentschlossenen bezeichnet er diese Station seines Lebens. Darum hat er das Studium abgebrochen und stieg 2007 lieber “als Sohn vom Chef” in die Firma ein, übernahm 2010 die Anteile des Papas, der sich aus dem Geschäft zurückzog.

Raphael: “Das war eine spannende Zeit”

Raphael hört seinem Bruder zu, bevor er seinen eigenen Werdegang reflektiert: In Landshut begann er ein Informatikstudium. Das hatte er sich spannender vorgestellt, als es tatsächlich war. Warum auch Informatik? “Mei, mit unserem dritten Bruder, dem Manuel und dem Papa haben wir seit ewigen Zeiten einen Zockerstammtisch. Jeden Montag spielen wir zusammen Videospiele – jeder von seinem Daheim aus.” Der Vater steht seinen Söhnen dabei in nichts nach – noch mit 77 Jahren spielte er erstmals World Of Warcraft. “Er trotzt seinem Schlaganfall,” sagt Raphael. Er selbst trotzte dem Thema Informatik und begann in München bei einem Beratungsunternehmen für IT eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration. Was sich für Laien ebenfalls informatiklastig anhört – “Ist es auch, aber viel praktischer,” klärt Raphael auf. Nach der Ausbildung wurde er übernommen und war jahrelang in ganz Deutschland unterwegs.

“Auf die Dauer ist das nichts,” sagt Raphael. “In dem Job muss man viel reden können, das ist für mich zwar kein Problem, aber ich bin halt auch gern auf dem Land daheim bei der Familie, bei Freunden.” Und es stimmt – Raphael redet in doppelter Geschwindigkeit wie Dominik. Dass es zur Zusammenarbeit kam, ging eine Reihe an Ereignissen voraus: 2012 starb die Mama, da musste der Papa von der ganzen Familie aufgefangen werden und beiden wurde klar: das ist das Wichtigste – der familiäre Zusammenhalt. 2014 übernahm Dominik die Firma komplett, stellte aber fest, dass er jemanden für den Werkzeugbau brauchte.

Und so kam Raphael ins Spiel, der seinen gut bezahlten Job kündigte und zurück nach Niederbayern kam. Seine Freundin war schwanger – ein weiterer Grund, sich neu auszurichten. “Warum nicht, hab ich gedacht,” sagt Raphael mit einem Schulterzucken, um bald festzustellen: Die neue Arbeit ist ganz schön nervenzehrend und anspruchsvoll. Klar – nun war nicht mehr nur sein Redetalent gefragt und dazu das IT-Know-How, sondern im Grunde ein ihm völlig neuer Arbeitsbereich. Weil er aber handwerklich gut drauf ist, hat er sich leicht reingefuchst. “Das erste Kind, dazu eine neue Aufgabe – das war eine spannende Zeit,” erinnert sich Raphael. “Ich hab ihn einfach machen lassen,” grinst Dominik.

Dominik: “Wir wissen, wie der andere tickt”

Die beiden Brüder arbeiten nun seit sechs Jahren zusammen, ergänzen sich wunderbar und mögen sich sichtlich. “Ein-, zweimal im Jahr rumpeln wir aneinander, sind uns aber nie lange böse. Wir kennen uns gut, wissen, wie der andere tickt,” sagt Dominik. In der gemeinsamen Zeit hat sich viel getan – die Brüder haben begonnen, moderner zu denken, sich für weitere Kunden zu öffnen. Wer die sind? “Wir liefern Verpackungslösungen für die Automobilbranche, was Automationstechnik und Elektrotechnik angeht. Außerdem für die Medizinbranche, zum Beispiel Verpackungen für OP-Laser. Da geht’s genau, da muss das drumherum sicher sein.” Raphael ergänzt: “Unsere Trays sind wiederverwendbar – geht doch mal einer kaputt, wird er granuliert und wiederverwertet.”

Da ist es wieder, das Thema: Beide machen sich viele Gedanken, was die Umweltfreundlichkeit betrifft. Beide setzen eher auf Wiederverwendbarkeit anstatt alternative Materialien. Auch so genanntes Bio-Plastik halten sie in der aktuellen Form für Augenauswischerei – für so genanntes Greenwashing: Die Herstellung braucht viele Ressourcen, dazu ist nur ein kleiner Anteil am Ende “bio”. Von Karton und Pappe halten sie auch wenig – “das ist in der Industrie und Zuhause das klassische Wegwerfprodukt. Einmal genutzt, ab in den Container,” argumentiert Raphael.

Die beiden führen mich durch die Produktionshalle, wo drei Mitarbeiter*innen beschäftigt sind und viele große Maschinen bedient werden. Am einen Ende befindet sich eine große Rolle Folie, deren Bahn sich ins Innere der Maschine schiebt. Dort legt sich die erhitzte Folie über eine Form, wird ausgestanzt und am anderen Ende kommt die fertige Verpackung heraus. “Ohne unsere Mitarbeiter wären wir nichts. Wir haben ein gutes Verhältnis und jeden Freitag ein Weißwurstfrühstück,” sagt Dominik. Der Papa kommt dann auch meistens, gern ist er noch in “seiner” Firma.

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Seit Ende 2020: BB Plastpack in Mitterhof

Diese ist gewachsen in all den Jahren – innerlich und äußerlich. Seit Ende 2020 ist BB Plastpack im Gewerbegebiet Mitterhof ansässig. Produktionshalle, Lager, Büro und Werkstatt – alles neu. Und dazu eine Wohnung für Dominik. Der Strom ist selbst gemacht, das Gebäude repräsentativ. “Das mögen die Kunden,” ist sich Raphael sicher. “Und das ist echt was anderes als unser altes Büro,” meint Dominik. “Das konntest ja keinem mehr zeigen.” Die Bock-Brüder schauen sich an, lachen. BB Plastpack, das ist ein Laden, der bewusst und nachhaltig mit einem Material wirtschaftet, das durchaus berechtigt im Kreuzfeuer steht. Aber: Plastik ist eben nicht gleich Plastik…

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BB Plastpack

Raphael und Dominik Bock

Anschrift: Gewerbegebiet Mitterhof 57
84307 Eggenfelden

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