Von Kuchenteig, Zuckermasse und Schokolade: Kerstin Stauber backt

In Kerstins Wohnküche duftet es nach Schokolade. Nach süßer zart-herber Schokolade. Und nach Kuchen. Nach duftig lockerem frisch gebackenen Kuchen. Die beiden Wohlgerüche vermischen sich aufs Feinste und sorgen dafür, dass man sich auf der Stelle aufs Kanapee kuscheln möchte mit einer Decke und einem großen Milchkaffee oder einer heißen Schokolade mit Sahne, sogar mitten im Sommer. Es riecht nach Behaglichkeit und einem Moment des Glücks. So wie es duftet, so erscheint auch Kerstin Stauber selbst. Sie strahlt eine heimelige Ruhe aus, dazu eine frohe Ausgeglichenheit. Und sie ist es, die für die Wohlgerüche in ihrem Haus verantwortlich ist. Auf der Anrichte stehen Nutella-Bananen-Muffins mit einer dicken, glänzenden Schokoglasur, garniert mit weiß-grünen Streuselchen und kleinen Fahnen.

„Früher hat es einfach nur schmecken müssen“

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„Letztes Jahr hab ich meine Backprodukte in einer Facebook-Gruppe hergezeigt,“ erzählt Kerstin. Weil die so gut ankamen, hat sie sich eine eigene Fan-Seite eingerichtet. Über 3.200 Leuten gefällt das mittlerweile. „Ich hätte nie gedacht, dass das so gut läuft,“ sagt die 32-Jährige. Zum Geburtstag hat ihr eine Freundin schließlich einen fertig eingerichteten Blog geschenkt. „Kerstins kreative Küche“ bietet Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Backbegeisterte. „Fondant startet voll durch,“ sagt die Hebertsfeldnerin. Damit meint sie die formbare Zuckermasse, mit der sich Gebäck hübsch einkleiden und figürlich wunderbar verzieren lässt. „Früher hat man sich weniger auf die Ästhetik konzentriert. Es hat einfach nur schmecken müssen.“ Und dann gibt es ja den großen Trend der Kinder-Motto-Partys, wo alles zusammenpassen „muss“ – angefangen bei Papptellern und Luftballons bis hin zu Gastgeschenken und nicht zuletzt eben der Torte.

Kerstins Leidenschaft liegt voll im Trend, dabei geht es ihr gar nicht darum. Sie verdient keinen Cent mit ihrem Blog und backt nur nebenbei. „Und das Backen bleibt auch nur ein Hobby,“ betont sie. Nicht nur, weil ihre Küche den gewerblichen Ansprüchen nicht genügen würde, sondern vor allem darum, weil sie ihre Arbeit liebt. Kerstin ist Grundschullehrerin – und momentan Vollzeit-Mama. Jonathan ist ein Jahr alt, sein Bruder Maximilian drei. Dass da Zeit für aufwändige Back-Aktionen bleibt und obendrein für die Pflege eines Blogs inklusive Fotografieren und Schreiben, ist ohnehin schon so ein Ding. Und ab dem neuen Schuljahr wird die Zeit für ihr süßes Hobby noch knapper – dann endet die Elternzeit und Kerstin wird wieder unterrichten.

Kommt gut an in Kerstins Blog: „Fun-Food“ für Kinder

Kerstin Stauber (2)Kerstin stellt die Muffins auf den Tisch, dazu einen Schwarztee. Heute ist es ein bisschen frisch, der Sommer macht grad eine kleine Pause. Dem schönen Ausblick tut das keinen Abbruch. Die eine Wand im Wohnzimmer ist verglast, draußen schwimmen ein paar Seerosen auf dem Altwasser der Rott, dahinter strecken sich Felder und Wiesen und hinter den Bäumen spitzt der Hebertsfeldener Kirchturm hervor. Ein Biss in den Muffin und es wird klar: Der hält, was sein Duft verspricht. Die Schokolade schmilzt am Gaumen, der Teig ist locker und saftig zugleich, der Geschmack von reifen Bananen und üppigem Nutella vermischt sich, so dass das Wasser im Mund mehr und mehr zusammenläuft. Was so ein einfacher Muffin alles ausrichten kann – welchen Effekt mögen da erst Kerstins kompliziertere Backwerke haben?

„Meine Familie freut sich immer drauf, wenn ich backe. Und die Kuchen und Torten kommen auch bei Geburtstagen und Familienfeiern recht gut an,“ bestätigt Kerstin mit einem Lächeln. Was auf ihrem Blog außer den Backwerken gern gelesen wird, ist das „Fun-Food“ für Kinder. Kerstin drapiert dabei Obst, Gemüse oder Brote so geschickt, dass sich kleine Bilder ergeben. Ihre eigenen Kinder finden das natürlich herrlich, „sie essen aber auch alles unverziert. Es ist ab und zu einfach ein netter Gag,“ sagt Kerstin. Im Blog erntet sie dafür viel positives Feedback – und nebenbei gibt sie verzweifelten Mamas Ratschläge, wie sie ihre Kinder zum Kohlrabi-Essen bringen können.

Mama und Lehrerin: „Von Kindern bekommt man unglaublich viel zurück“

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Ihre Leidenschaft fürs Backen hat Kerstin erst mit ihrem eigenen Haushalt entdeckt – „mittlerweile geht’s nicht mehr ohne.“ Als Kind hat sie noch nicht den Rührlöffel geschwungen, höchstens dran geschleckt. In Unterdietfurt war das. „Ich hatte eine idyllische und schöne Kindheit auf dem Dorf. Ich hab viel draußen gespielt und die Nachbarskinder waren immer da,“ erinnert sich Kerstin. Für ihr Lehramtsstudium hat sie sich nicht zuletzt deshalb entschieden, weil sie selbst eine sehr liebe Grundschullehrerin hatte.

In Passau hat sie studiert, in Erding ihr Referendariat gemacht. „Ich fand den Beruf schon immer schön. Kleinen Kindern die Grundfertigkeiten wie Lesen und Schreiben beizubringen, ist was sehr Erfüllendes,“ sagt Kerstin. „Von den Kindern bekommt man unglaublich viel zurück.“ Und das schönste Kompliment für die 32-Jährige ist es, wenn die Kinder sagen: „Schade, dass Wochenende ist.“ Das ist es, was Kerstin fasziniert: Die Ehrlichkeit und die Unverdorbenheit der Kinder. „Und die Arbeit mit ihnen ist absolut witzig. In Sachen Humor liege ich voll auf einer Ebene mit den Kleinen.“

Kein Thermomix? „Mein altes Rührgerät tut’s auch“

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Das kommt auch ihren eigenen Buben zugute. Maximilian darf seiner Mama beim Backen helfen und mit Fondant experimentieren. Für die Muffins hat er die Bananen ordentlich zerquetscht und das Rührgerät gehalten. Das Rührgerät? „Ich habe keine Küchenmaschine,“ sagt Kerstin und tatsächlich: In der Küche steht weit und breit kein Thermomix und keine Kitchenaid. „Die Schüssel vom Thermomix reicht für meine Teigmengen gar nicht aus. Mein altes Rührgerät tut‘s auch,“ bekennt sie lachend. Maximilian und Jonathan schauen in die Küche, gefolgt von Kerstins Mann Michael, bevor die drei Männer zur Oma fahren. „Es ist auf alle Fälle praktisch, dass wir beide Großeltern in der Nähe haben, die uns sehr unterstützen,“ sagt Kerstin. Gemeinsame Zeit mit ihrem Mann ist ihr wichtig – und Paarzeit funktioniert nun mal besser, wenn man die Kinder bei Vertrauenspersonen gut aufgehoben weiß.

Vielleicht ist das ja das simple Geheimnis einer langen Beziehung – sich immer wieder bewusst Zeit füreinander zu nehmen. Kerstin und Michael sind jedenfalls schon eine kleine Ewigkeit zusammen. 17 war Kerstin damals, ganz klassisch in der Disco haben sie sich kennen gelernt. „Wir ergänzen uns gut, unterstützen uns beide und pflegen einen guten Zusammenhalt. Und wir geben uns beide Freiräume,“ sagt Kerstin. Im Jahr 2010 hat das Paar das große „Ja“ gesagt. „Unsere Hochzeitstorte habe ich übrigens nicht selbst gebacken,“ sagt Kerstin lachend. Und sie fügt hinzu: „Nach außen hin wirke ich ganz ruhig – aber innerlich kann ich schon sehr aufgewühlt sein. Vor allem zu Stoßzeiten.“ Zum Beispiel morgens und abends und tausendmal zwischendrin – so wie das mit Kindern eben ist. „Mit Kindern sieht man erst, wie alt man wirklich ist,“ meint die 32-Jährige mit einem Lächeln. „Die Zeit vergeht einfach furchtbar schnell.“

„In unser Haus haben wir uns gleich verliebt“

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Davon ist im Moment nichts zu merken. Der Tee ist ausgetrunken, ein paar Muffin-Brösel liegen auf dem eckigen Gmundner-Geschirr, draußen fließt kaum merklich das Rott-Altwasser vorbei, die Blätter der Bäume rascheln im Wind. Auf der Terrasse hat Kerstin Blumentöpfe arrangiert, drinnen ist fein aufgeräumt und alles strahlt Ruhe und Gemütlichkeit aus. „In das Haus haben wir uns gleich verliebt,“ erzählt Kerstin. Gefunden haben sie es über eine Plattform im Internet. Nach und nach haben sie es hergerichtet, bis es ganz das ihre war. Das Dekorieren im und ums Haus, im Garten ein paar Blumen pflanzen – das ist ein schöner Ausgleich für Kerstin. Nur backen kann sie schließlich auch nicht. Obwohl…

Auf dem Tisch liegt ein in Filz gebundenes Buch – darin verbergen sich Kerstins Backwerke. Mit viel Liebe hat sie ein Rezeptbuch angelegt. Mit Fotos, handgeschrieben. „Meine Rezepte sind Eigenkreationen,“ sagt Kerstin. Die Bayerische Torte zum Beispiel, „die war voll erfolgreich. Da gab es viele Rückfragen und Klicks.“ Unter anderem auf der Facebook-Seite „So schee is im Rottal“. Da versteht es sich von selbst, dass Anfragen kamen. „Ich möchte aber nicht auf Auftrag backen. Wochenende heißt für mich Familienzeit,“ sagt die zweifache Mama. Und: „Konditor ist ein eigenes Handwerk – das soll auch ein Alleinstellungsmerkmal haben.“ Gegen Produkttests hat sie aber nichts einzuwenden. Das geht so: Namhafte Firmen für Backzutaten schicken ihr Produkte, Kerstin verwendet sie und schreibt über ihre Erfahrungen damit in ihrem Blog. „Die Firmen schreiben mich an und umgekehrt. Und ich sage meine ehrliche Meinung – und mache nicht generell positive Werbung,“ erklärt sie. Für ihre Backutensilien hat sie ein eigenes, gut gefülltes Kellerregal.

Kerstins drei Männer kommen von der Oma zurück, Jonathan schielt auf die Muffins und darf sich freilich einen schnappen. Am Ende des Tages wird nichts übrig geblieben sein von den süßen Köstlichkeiten. Glücklicherweise wird es nicht lang dauern und Kerstin erneut ihre Rührschüsseln hervorholen. Während die Männer schnabulieren, gibt Kerstin noch ihr erstaunliches Geheimnis preis: „Ich selber esse gar nicht so gern Kuchen. Ich mag‘s lieber pikant.“

Eine kleine Kostprobe aus ihrer kreativen Küche stellt uns Kerstin hier zur Verfügung:

 

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