Simone White: „Ich glaube an die Liebe und das Innerste“

Es wäre ein Leichtes, Simone White in nur einem Wort als Energiebündel, als Wirbelwind, als Sonnenschein oder sogar als Powerfrau zu beschreiben. Ja, diese Begrifflichkeiten mögen einem in den Sinn kommen, wenn man die 35-Jährige zum ersten Mal sieht, sie kräftig die Hand schüttelt mit herzlichem Blick und ihr ganzes Gesicht, ihre ganze Erscheinung strahlt. Doch damit wäre so vieles nicht gesagt, was Simone White außerdem ist. Was nicht gleich sichtbar ist, was keiner ahnt. Im Gespräch mit ihr offenbart sich eine Frau, die den Weg der Selbsterkenntnis geht – eine Frau, die die Simone Eckinger von einst liebevoll und kritisch betrachtet und eine Frau, die sich treu ist, sei es nun im körperlichen oder stimmlichen Ausdruck.

„Ich hatte einen deutlichen Tagtraum“

Am Küchentisch der Whites ist es schön gemütlich. Martin hat Tee gemacht, Baby Aurora schläft und Simone hat eine Kerze angezündet. Sie umschließt mit ihren Händen die Teetasse und fängt mit dem Erzählen da an, wo alles begann mit ihr und dem Leben: bei ihrer Geburt. „Das war ein problematisches Erlebnis,“ sagt sie. „Mich plagen noch heute klaustrophobische Probleme. Das sind richtige Urängste. Und das hat auch lange die Verbindung mit meiner Mutter beeinflusst. Ich liebe sie und bin ihr für vieles dankbar. Seid ich selbst Mama geworden bin,  ist die Verbindung zu meiner Mutter neu entstanden. Wir wachsen miteinander und ich bin stolz auf das, was wir jetzt sind. Wir lernen gegenseitig voneinander.“

Als Simone schwanger wurde, hat sie sich einen guten Start ins Leben mit ihrer Tochter gewünscht. Bei Inge Helmer im Geburtshaus in Arnstorf fühlte sie sich gleich am richtigen Ort. „Inge hat den seelischen Aspekt einer Geburt beschrieben. Und ich habe ganz plötzlich meine eigene Geburt nochmal durchlebt. Das war ein heftiges emotionales Erlebnis.“ Und doch fühlte sich danach alles besser an. Aurora wurde geboren und die drei Whites hatten die ersten drei Tage als Familie ganz allein für sich. „Ich bin dankbar, dass sich eine so gute Verbindung zwischen uns aufbauen konnte,“ sagt Simone. „Ich bin demütig, dass ich so ein tiefes Erlebnis auf natürliche Weise, ohne Schmerzmittel, erleben durfte und ein gesundes Kind in die neue Welt geboren habe.“

Sie lächelt, trinkt einen Schluck Tee, lacht. Ein wenig erstaunt scheint sie selbst zu sein, dass sie gleich so offen spricht über so Persönliches, so Empfindliches und Eigenes. Es ist ihr ein Bedürfnis, über ihr Leben zu reden, in dem sie als Erwachsene noch mal ein so großes Stück gewachsen ist, fast ein wenig über sich hinaus. Simone erzählt davon, warum Aurora genau diesen Namen trägt, den Namen der römischen Göttin der Morgenröte. „Ich hatte einen ganz deutlichen Tagtraum. Da kam ein kleines Mädchen mit roten Haaren auf mich zu und sagte zu mir: ‚Ich bin Deine Tochter.'“ Simone nickt und ist sichtlich gerührt. Martin kommt mit Aurora auf dem Arm herein. Ein Jahr ist sie jetzt jung und hat feine rote Haare und einen Blick, ganz interessiert und intensiv. Simone lacht ihr Kind an, nimmt es auf den Arm.

„Er ist meine Zwillingsseele“

Ganz unvorstellbar, dass sie früher gar nicht auf eigene Kinder aus war. „Ich bin ein Showmensch: laut, leidenschaftlich, energetisch und immer am Schwitzen. Die Leute sind gern mit mir mitgegangen, so war das schon immer,“ sagt sie und schaut zu Martin, der leise lächelt. Er ist es, der eine andere Simone zum Vorschein gebracht hat, wie sie selbst sagt. „Er ist meine Zwillingsseele. Und wenn sich zwei Zwillingsseelen treffen, kann etwas Wunderbares entstehen.“ Aurora zum Beispiel. Und dazu eine spürbare Harmonie. Die Whites gehen ganz natürlich und geschmeidig miteinander um. Eine Bewegung fließt in die andere über, viele Worte braucht es nicht, um sich zu verständigen. Herzlichkeit und Respekt, Behutsamkeit und Ruhe liegen in ihrem Tun. Etwas ganz Feines, Seltenes.

Bevor sich Simone dem öffnen konnte, ist freilich viel passiert. „Mit 17 ist die Pubertät ausgebrochen. Ich habe viel ausprobiert, habe mich vom schüchternen Mädchen zur Rebellin gewandelt. Und ich hatte Panikattacken und eine Essstörung,“ sagt sie. Alles kam raus, was in der Kindheit nicht raus konnte und durfte. Eine Simone, die sich erstmals ausdrückte und nicht nur still angepasst lebte. Sie machte eine Ausbildung zur Kinderpflegerin und arbeitete fünf Jahre lang in der Psychosomatischen Klinik in Simbach mit Kindern. „Die Kinder gaben mir einen Sinn, auch wenn ich mich immer wieder fragte, ob das nun mein Platz, meine Heimat war.“

„Es geht nicht ums Geld“

Um eine Antwort auf diese drängenden Fragen zu finden, schrieb die 17-jährige Simone ein Musical. „Es handelt von den drei Ebenen einer Seele,“ sagt sie. „Das steckte alles in mir. Die Themen, Texte, die Musik.“ Und so kam es, dass sie „Die drei Schichten“ mit ihrem selbst gegründeten Verein „Feuersturm“ einstudierte – und mit großem Erfolg aufführte. Den Reingewinn hat Simone gespendet. „So hab ich das immer gemacht, auch später mit meinen Shows. Es geht nicht ums Geld.“

Das war ihr schon in diesen jungen Jahren bewusst – vielleicht auch, weil sie nie Geld auf der Seite hatte. Als sie von der Klinik aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt wurde, ging es ihr auch nicht aufgrund Geldsorgen schlecht. Es ging ihr schlecht, weil sie sich nicht mehr verstanden fühlte. „Das war eine schlimme Zeit und ein tiefer Prozess, der über zehn Jahre angedauert hat,“ erinnert sie sich. „Ich hatte einen richtigen Zusammenbruch.“ Aber was geschieht, wenn alles zusammenbricht? Die Scherben liegen lassen, das kam für Simone nicht infrage. Da klaubte sie lieber die Scherben auf, um sie neu zusammenzusetzen. Ihr Weg entwickelte sich weiter. Das Tanzen, das mit „Feuersturm“ begonnen hatte, blieb. Sie bot Tanzkurse an, arbeitete unter anderem in Bad Griesbach im Hotel Maximilian im Kinderclub.

„Man selbst ist das Wertvollste“

Simone setzt Aurora zu Martin auf die Spieldecke. Sie zeigt mir das Haus, das ihre Eltern gebaut haben und in dem sie zur Miete leben. Der Papa war Zimmerer, das Haus war das letzte, das er in seinem Arbeitsleben gebaut hat, sein „Lebenswerk“, wie Simone sagt. Jetzt arbeitet er als Hausmeister an einer Schule, hat jeden Tag mit Kindern zu tun. Ihre Mama ist Bankkauffrau. „Meine Eltern sind sehr sparsame und herzliche Menschen, sie haben für uns Kinder sehr viel gespart, damit wir es in der Zukunft gut haben,“ sagt Simone und lacht: „Den Umgang mit Geld hab ich mir nicht so ganz zu Herzen genommen, weil ich denke, dass dies nicht alles ist. Ich bin nie in Geld geschwommen, wollte auch nie materiell reich werden – denn sonst könnte ich nicht so leben, wie ich es mache.“ Das heißt: Sie und Martin sind beide freiberuflich tätig, teilen sich ihre Zeit frei ein. Selbstständig zu sein heißt für die beiden eben nicht, selbst und ständig zu arbeiten. Sie legen Wert auf ein gesundes Maß.

Für rein rationale Ohren mag befremdlich klingen, was Simone sagt: „Ich hab immer das Vertrauen gehabt, dass alles wird. Ich hab einfach gemacht, vorher nie groß kalkuliert. Mein Herz hat meinen Weg entschieden, nicht mein Verstand. Meine geistigen Mächte haben mir immer zur Seite gestanden, wenn ich sie gebraucht habe. Dafür bin ich jeden Tag dankbar. Ein Gebet bewirkt immer Wunder, wenn du es geschehen lässt. Es geht nicht darum, sich ein Polster zu schaffen. Es geht darum, seine Talente zu leben.“ Das erfordert Mut. Simone nickt: „Man selbst ist das Wertvollste. Glaube, Liebe, Vertrauen sind wichtig. Aber ums Geld geht es niemals. Darum kann man seinen Materialismus getrost runterfahren.“ Mit ihren Worten liegt Simone schwer im Trend: Weg mit dem Zeug, Entrümpeln, nur mit hundert Dinge leben… Diese Trends entstehen aus einer Sehnsucht nach Einfachheit in einer Welt, in der Konsum nach außen hin alles zu sein scheint. Nicht mehr interessant für Simone.

„Wir alle sind spirituelle Wesen“

Schon gar nicht mehr, als sie dem Schamanismus begegnete. Durch ihre Freundin Brigitte lernte sie Rosmarie Obermüller kennen und „startete nochmals einen großen Prozess“, wie sie es selbst ausdrückt. Gemeinsam mit Martin besuchte sie die Schamanin, fand einen neuen Zugang zu Mutter Natur und verband sich auf heilsame Weise mit ihren Ahnen. „Für mich ist das eine wunderbare Möglichkeit zur Selbsthilfe,“ sagt Simone. Aurora wurde schamanisch getauft – und ich erinnere mich an Martins Worte an seine Frau. Wie sehr er sie bewundere, da sie den großen Mut hatte, sich selbst anzuschauen, an sich zu arbeiten und sich so auf die Beziehung mit ihm und ihre Mutterrolle vorzubereiten.

Simone weiß, dass die Entwicklung des Selbst ein niemals endender Prozess ist. Da ist man nicht irgendwann fertig oder „austherapiert“ und dann passt’s, dann ist man ein fertiger Mensch. So ist das Leben nicht und manchmal möchte man ob dieses Gedankens schon seufzen und sagen: Oh, ist das anstrengend. Ja, das ist es, aber Simone hadert nicht damit, im Gegenteil. Sie freut sich über die Nähe, die sie zu sich selbst aufgebaut hat, über ihre Versöhnung mit dem Frausein, über das Wiederfinden des Spirituellen in sich. „Wir alle sind spirituelle Wesen,“ sagt sie. „Die Worte sind nur so negativ behaftet, auch ‚Esoterik‘. Aber das muss nicht sein – es steckt viel mehr dahinter. Und jeder, der nach einem tieferen Sinn im Leben sucht, nach dieser Verbindung von sich selbst und der Welt, der ist halt mal spirituell. Wir sollten neugierig sein und uns nicht beeinflussen lassen. Jeder weiß, was er braucht. Dazu braucht man keinen Menschen, der einem sagt, was man zu tun hat.“

Wie war das nochmal – Simone musste sich mit dem Frausein versöhnen? „Ja genau,“ sagt sie. Mit acht, neun Stunden Sport am Tag war sie so derartig durchtrainiert und muskulös, dass sie richtiggehend männlich wurde. Ihr Gang, ihre Stimme, ihre Gesten – da fehlte das Weibliche, das Feine, das Gefühlvolle, das dringend den Platz in einer Frau verlangt. „Durch die Schwangerschaft wurde ich wieder weiblich, fein und weich. Mein Gesicht hat sich verändert. Martin sagt, ich spreche und bewege mich anders – und ich nehme das auch selbst an mir wahr,“ sagt Simone.

„Wichtig: Kinder nicht abwerten“

Simone verurteilt sich nicht für ihr früheres Leben. Nach der wackligen Zeit der der Selbsterkenntnis und der Suche nach neuen Aufgaben kam sie zu Checker Fitness in Simbach. Mit ihr wurde daraus Checker Dance, eine Tanzschule, die für eine wilde eigentümliche Mischung aus HipHop und Zumba stand. Auch als Groupfitness-Trainer konnte sie Kindern und Erwachsenen viele Möglichkeiten anbieten. Simone gründete mehrere Bands, trat mit unterschiedlichen Konzepten auf, gab Konzerte, sang auf Hochzeiten. „Das war Show, ich liebte die Action, das Polarisieren,“ sagt Simone. „Und dann kam plötzlich Martin und ließ mich spüren, wer ich eigentlich bin.“ Sie schaut zu ihm, der Aurora auf dem Arm hat. Im Hintergrund läuft leise Gregor Meyle, dessen Musik und Texte das Paar sehr schätzt. „Gregor Meyle hat mich mit meiner eigenen Seele verbunden. Früher war das Michael Jackson,“ sagt Simone und lacht herzlich.

Durch ihre Tanzschule wurde ihr bewusst, dass sie Kindern viel mehr mit auf den Weg geben kann als nur Schrittfolgen. Ja, auch ein Körperbewusstsein und noch weiter ein Selbstbewusstsein. Ein Bewusstsein für die eigenen Talente. In der Regelschule ist dafür kein Platz, wie Simone findet. Viele ihrer Tanzschüler durfte sie über zehn Jahre begleiten und hat damit ihre Entwicklung miterlebt. „Wichtig ist es, den Kindern Halt zu geben und sie nicht abzuwerten,“ sagt sie. Auch aus eigener Erfahrung weiß sie: „Statements prägen. Als Kind glaubt man, was einem gesagt wird.“

Die Whites erspüren einen eigenen Familiensinn

Sie selbst bekam zum Beispiel zu hören, sie sei nicht sprachbegabt. „Die Schulzeit war für mich ein Graus. Deutsch und Englisch waren nicht gerade meine Stärken. Ich war und bin ‚zu‘ kreativ und musste mich anpassen. Ich fühlte mich nicht bestätigt – eher dumm, weil ich eben anders dachte und tickte,“ erinnert sich Simone. Heute lernt sie Tschechisch, die Muttersprache ihres Mannes. Klar, Tschechisch ist eine große Nummer, angefangen von der Grammatik bis hin zu den Lauten, die unseren Zungen recht fremd scheinen. Simone weiß aber auch, dass es mehr als nur Worte gibt: „Mit Martins Mama verstehe ich mich auch nur übers Anschauen. Man muss nicht miteinander sprechen, um Sinnhaftigkeit entstehen zu lassen.“ So ist es auch mit Aurora: Mit einem Jahr hat sie noch keine Worte für ihre Bedürfnisse und Gefühle. Grade eben meckert sie ein wenig und die Mama weiß, es ist Zeit für eine Mahlzeit. Während Simone mit ihr nach oben geht, brüht Martin einen frischen Tee auf. Die Kerze flackert und lässt die Maria leuchten, mit der sie verziert ist. Draußen liegt die Natur Grau in Grau da. Martin erzählt von Simones Malereien im Haus. Draußen der Engel über dem Giebel. Und in Auroras Zimmer gibt es auch ein geflügeltes Wesen.

Engel und Maria und Simone – so verbindet sie ihre neu gewonnene Spiritualität mit dem Traditionellen. Als Simone wieder ins Zimmer kommt und Aurora ein weiteres Schläfchen hält, spricht sie davon, wie sie die alten Werte ihrer Familie nicht mehr weitertragen konnte. Spürbar wurde dies erstmals im Erwachsenwerden, richtig zum Tragen kam alles mit dem Finden von Martin und dem Gründen der eigenen Familie. Auch deshalb wurde Aurora nicht kirchlich, sondern schamanisch getauft. Und so erspüren sich die Whites einen eigenen Familiensinn. „Wir wollen eigene Wege gehen, unser Herz sagt uns was zu tun ist. Wir hören auf uns. Ich liebe Tradition, aber ich liebe auch neue Wege,“ sagt Simone.

„Martin lässt mich frei sein“

Sie ist sich sicher: „Mit dem Babyboom seit 2014 wächst eine ganz neue Generation heran. Die Veränderung ist spürbar. In sämtlichen Lebensbereichen dringt der Wunsch nach mehr Bewusstsein hervor. Ich denke, die Kinder verändern ihre Eltern – sie bringen ihre Eltern zu sich selbst. Wir sollten unseren Kindern mehr zuhören und Glauben schenken.“ Die Loslösung von alten Mustern, die Gleichberechtigung in Sachen Geld und Kinderzeit versucht sie mit Martin zu leben. Dazu müssen beide Elternteile aufeinander zugehen, weiß Simone. Sie ist glücklich, sagen zu können: „Martin lässt mich frei sein. Es kommt auf die Offenheit des Herzens an. Und ich glaube an die Liebe und an das Innerste.“ Da glänzen die Augen des Paares, als sie sich anschauen.

Simone blinzelt, erinnert sich nochmal zurück. An die riesigen Zumba-Shows mit über 800 Leuten im Lokschuppen. Aus eigener Energie hat sie eine Masse an Menschen bewegt. Daraus entstand auch Verbundenheit. Verbundenheit, die sie heute ganz anders lebt. Dazu gehörte ein Prozess von über zehn Jahren, wie sie sagt. Und auch bei Martin und ihr hat die Liebe nicht einfach eingeschlagen wie im Märchen. Simone hat lange gebraucht, Martin in ihr Leben zu lassen – an ihr Innerstes zu lassen. Und natürlich hat es sich gelohnt. Aber weiß man das, wenn man auch anderes erlebt hat? Wenn man selbst immer nach außen gelebt hat, aus welchen Gründen auch immer?

Simbaa – Simones besonderer Babykurs

Martin schenkt Tee nach. Simone denkt nach, schaut in die Kerzenflamme. Jetzt, da sie es gewagt hat, ihr Innerstes kennenzulernen, weiß sie genau, was sie erfüllt und was sie kann. „Meine Mutterrolle ist aktuell das Wichtigste in meinem Leben,“ sagt sie bestimmt. „Und meine Stimme ist meine Gabe. Damit kann ich Menschen berühren.“ Es klingt beinahe unglaublich, als sie erzählt, dass Aurora direkt nach der Geburt ein Lied vorgesungen bekam. „Dir gehört mein Herz,“ sang Simone ihrer Tochter vor. Martin bezeugt es mit einem Lächeln an die einzigartige Erinnerung. Und Aurora? Die meldet sich von oben, ganz als ob sie insgeheim zugehört hätte.

„Kinder haben einen wunderbaren Zugang zu Musik,“ spricht Simone weiter, während Martin zu Aurora geht. „Sie brauchen Musik. Darüber können sie sich ausleben.“ Auch deshalb hat sie Simbaa gegründet, einen ganz besonderen „Babykurs“. Simone beschreibt das Geschehen als eine Mischung aus Musikgarten und Pekip – es geht also um Klänge und um Bewegung, ganz nach dem Tempo und Interesse der Kinder. „Das macht große Freude – weil ich auch die Eltern mitbegleiten darf,“ sagt Simone. „Und die Kinder sollen diese bewusste Zeit mit ihren Eltern genießen. Ich erzähle den Eltern nicht, was sie machen sollen – es geht darum, dass den Kindern intuitiv, spielerisch und kreativ die Welt ein Stück näher gebracht wird. Babys sind ganz feinfühlige Wesen und haben eine hohe Intelligenz, sie sind noch unbeschwert und lernen durch Entdeckung und eigenes Erfahren durch die Sinne. Als Erwachsene haben wir es vergessen, uns auf unsere Instinkte zu verlassen. Wenn wir es von klein auf lernen, uns zu vertrauen und mit dem Herz zu leben und zu denken, würde unsere Welt in Zukunft viel heller aussehen. Die Welt zu verändern, fängt mir der Erziehung an.“ Martin und Aurora sind auch mit dabei, logisch.

„Wenn man sich etwas wünscht, …“

Martin fasst sein und Simones Tun so zusammen: „Bei mir geht es nicht ums Schwimmen und bei Simone geht es nicht ums Tanzen. Es geht um die freie Entwicklung der Kinder.“ Er spricht über die Schule, die einem zwar Wissen, aber nicht Weisheit vermitteln kann. Weisheit – die kommt nur dann, wenn einem in Fleisch und Blut übergeht, wie vernetzt die Welt und das Universum sind, wie alles mit allem zusammenhängt, dass alles, was geschieht, eine Auswirkung hat. Simone überlegt weiter: „Das Schulsysterm wird in der Zukunft nicht mehr zu unseren Kindern passen. Wir haben keine verhaltensauffälligen Kinder, sie werden nur dazu gemacht. Nach dem System sollen wir nach einer Norm geformt werden. Das funktioniert aber nicht, denn wir sind alle individuelle Wesen mit eigenen Talenten. Diese Talente sollten schon im Kleinkindalter gefördert werden, damit sich das Kind bestätigt fühlt. Das geht nur über Kreativität, Kunst, Musik und freies Schaffen. Wir müssen umdenken. Man kann nicht früh genug anfangen, die Kinder zu unterstützen, auch aus dem Gedanken heraus ist Simbaa entstanden. Leistungsdruck ist nicht die Zukunft. Wenn wir achtsam mit uns sind und den Stress abbauen, dann werden wir viel mehr bewirken können, als wir je dachten – und noch effektiver. Alles entsteht aus der inneren Ruhe und der Liebe zu sich selbst.“

Simone überlegt weiter: „Es geht darum, das eigene Kind kennenzulernen. Das sind keine unbeschriebenen Blätter, sondern Persönlichkeiten.“ Mit dieser Sichtweise wird aus dem Kind ein selbstbewusster Mensch, davon ist die Simbaa-Kursleiterin überzeugt. Sie erinnert sich daran, wie sie selbst als Kind war. Damals, als sie mit zehn Jahren auf dem Vordach vor ihrem Zimmer saß und mit den Sternen und dem Mond redete. „Damals habe ich mir gewünscht, Sängerin zu werden. Und einen Mann zu finden, der sich mit mir vereint. Ich wusste sogar, dass er zu dem Zeitpunkt nicht in Deutschland war. Ich musste ihn also finden. Und dann fand er mich. Und ich bin Sängerin…“ Simone lächelt und fügt hinzu: „Wenn man sich etwas wünscht, dann geht es in Erfüllung.“

Ein Blick in Simones Fotoalbum:

Simone über Rottaler Gsichter

„Liebe Eva, du bist ein Vorbild für viele Frauen durch deine Rottaler Gsichter. Du schaffst Brücken für Gemeinschaft und Individualität. Danke, dass du mutig bist und eben neue Möglichkeiten für Netzwerke schenkst. Sonst hätte ich mich wahrscheinlich nie so äußern können, durch deine besondere Schreibfeder. Jeder Baustein hat seinen Sinn. Jeder Artikel von dir bestärkt andere Menschen, sie selber zu sein und mutig zu sein und man sieht, wir sind nicht allein. Wir sind alle kreative Wesen, die voneinander lernen.“

Das Rotter Gsichter Magazin
Das Rottaler Gsichter Magazin

Print ist das neue Digital! Die Rottaler Gsichter gibt’s ab 1. Juli 2019 auch als MAGAZIN! Wie gewohnt mit Portraits von Rottalern – und obendrein mit mehr Gschichten, Menschen, Gedanken und Einblicken. Zum Anfassen. Aus Papier. In Echt.

Hier gibt’s weitere Infos…

Gesang, Tanz, Simbaa

Simone White

Telefon: 0170-2738931
Anschrift: Postfach 1002
94094 Rotthalmünster

Ein Kommentar

  1. Kreativität ist das Gegenteil von Rigidität.
    Dieser Beitrag beweist eindrucksvoll, wie glücklich, zufrieden, ausgeglichen und abwechslungsreich ein Leben sein kann, wenn es auch nach eigenen Regeln gestaltet wird.
    Ein wunderbarer Beitrag zum Neuen Jahr!

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