Woife Berger, unverfälscht: „Ich bin ein Bühnenmensch“

+++ Hier gibt’s Neues vom Woife +++

Woife Berger macht sich einen Kaffee. In die Wohnküche scheint die Morgensonne und verspricht einen schönen Herbsttag. Frau und Tochter sind schon aus dem Haus, die zwei Katzen schleichen im Garten umher. Drinnen ist es schön ruhig – genauso, wie es der Woife mag. Rund 90 mal steht der Rottaler Kabarettist im Jahr auf der Bühne, moderiert, singt, macht seine Späße, ist präsent und bekannt. An die 50.000 Kilometer kurvt er dabei in Bayern herum. Da darf es auch mal ein bissl gemächlich zugehen in seinem Einfamilienhaus in Wittibreut. Gern mit Kaffee am Morgen und Kanapee am Abend.

„Da verteile ich meine Lebensweisheiten“

Gestern erst ist er heimgekommen von seinen selbst organisierten Einkehrtagen für die neunten Klassen. „Da verteile ich meine Lebensweisheiten und koche für 30 Leute,“ sagt Woife Berger. Und zwar an fünf Wochen hintereinander. Die Arbeit mit jungen Leuten ist ihm ein Anliegen. Er möchte den Draht zur jungen Generation nicht verlieren – und zudem selbst was weitergeben. Ganz ohne moralisierenden Ton, dafür mit seinen eigenen Erfahrungen.

Davon hat Woife Berger viele gesammelt. Verglichen mit seiner eigenen Jugendzeit beneidet er die heutige junge Generation nicht. Viel mehr Druck – schulisch, persönlich, entwicklungstechnisch. Und dazu viel weniger Halt in Hinsicht auf Elternhaus und Werte. So sieht er das. Mit zwei Programmen geht er in die Schulen. Der Kobold Freddy ist für die Jüngeren da, das Werte- und Mobbing-Programm für die Älteren. „Zusammenhalten, sich akzeptieren, sich engagieren – das ist nicht mehr selbstverständlich. Das ist der Zeitgeist,“ sagt er und trinkt einen Schluck von seinem Kaffee.

„Wir wollten die Ungerechtigkeit bekämpfen“

„Als Künstler sehe ich mich in der Pflicht, mich zu engagieren. Ich bin da, um die Welt ein bissl besser zu machen.“ Er weiß, dass das pathetisch klingt, dass das ein hohes Ziel ist, aber er steht dazu. Weil er schon immer so gedacht hat – und da war er noch längst kein Künstler. Damals, mit kaum 20 Jahren, ist er von der Landjugend aus fünfmal nach Rumänien gefahren, um Hilfsgüter zu verteilen. Er hat größtenteils alles organisiert. 20 Lkws, 48 Fahrer. Und die Güter: Alte Bulldogs, Pflüge, Saatgut, ausgemusterte Krankenhausbetten und OP-Einrichtungen. Alles aufgeladen und zack, 40 Stunden durchgefahren. Dabei Zöllner mit billigem Werkzeug und Kaffee bestochen.

Da hat sich der Woife Berger nichts geschissen. Und wer so eine Aktion stemmen kann, kann auch mal geschwind den Bischof höchstselbst anrufen und um Geld für zehn, zwanzig Kühe bitten. So konnte der Jungspund Berger mit seinen Mitstreitern letztenendes ein kleines rumänisches Dorf mit Vieh ausstatten. „Wir wollten die Ungerechtigkeit bekämpfen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten,“ sagt er. „Christlich ist der, der Gutes tut.“ Heute ist Woife Berger nicht mehr im Namen christlicher Institutionen unterwegs, er ist auch kein großer Kirchgänger. Er mag zwar den Papst, „weil der über den Tellerrand rausschauen kann“, und den Passauer Bischof findet er auch gut. Aber mit so manchem Bodenpersonal kann er wenig anfangen, vor allem dann nicht, wenn es die christlichen Werte selbst nicht lebt.

„Ich bin Kabarettist, kein Comedian“

Mit der Landjugend hat Woife Berger seine eigenen Werte gefestigt – und der Landjugend ist es auch zu verdanken, dass er seine kabarettistische Berufung erlangt hat. Da gab es immer wieder Gelegenheit, kleinere Bühnenstückl aufzuführen – und zu singen. „Das Gesellschaftliche, Humorige, Musikalische hab ich schon immer gemocht. Ich bin ein Bühnenmensch, das ist meine Passion,“ sagt er. Seine Eltern haben ihn immer unterstützt und waren stolz auf ihren Buben. Noch heute hilft der Papa manchmal beim Auf- und Abbau – und die Mama verkauft Karten.

Schnell war Woife Berger als „Fälscher“ bekannt – weil er mit seiner Band zunächst Songs umgetextet, also gefälscht, hat. Schnell hat er aber gemerkt, dass das kostet – und die GEMA wenig begeistert war. Der Name ist ihm trotzdem geblieben. „Und ich fälsche auch heute noch alles, was ich fälschen darf,“ sagt er mit einem Lächeln. Er betont: „Ich bin Kabarettist und Liedermacher, kein Comedian.“ Seine Vorbilder sind die ganz Großen – Zimmerschied, Hader, Polt, auch die Gruberin. „Ich hab sie schon alle getroffen,“ sagt er mit Freude.

„Ich hab ein großes Selbstbewusstsein“

Bevor Woife Berger sich ab 2008 seiner Bühnenleidenschaft im Vollerwerb widmete, hat er was ganz anderes gemacht. Zunächst hat er Stahlbetonbauer gelernt, aber schnell gemerkt, dass das nix ist für ihn. Da konnte er die Welt nicht verbessern, so wie er es sich vorstellte. Also ging er zur Krankenpflegeschule, bildete sich immer weiter und arbeitete zuletzt in der außerklinischen Intensivpflege, in 24-Stunden-Schichten. Das Kabarett lief immer nebenbei.

Woife Berger weiß heute, wer er ist. „Ich hab ein großes Selbstbewusstsein,“ sagt er ganz sympathisch. Früher, da hatte er mit seinem Gewicht zu kämpfen. „Fünf Kilo weg, zehn Kilo rauf – das bringt ja nix. Und wenn ich nach einem Auftritt völlig aufgeputscht an die Tanke fahre und ein Packl Chips esse, weiß ich auch, dass das scheiße ist.“ Er ist sich seiner Schwächen bewusst und ihm ist auch klar: Ohne Eigeninitiative geht gar nichts.

Da wird er direkt ein wenig ärgerlich: „Dem Ottonormalbürger reicht es, am Wochenende den Pocher oder den Barth und diese Deppen anzuschauen. Etwas selbst machen, sich zu motivieren, die Vielfältigkeit des Lebens auszuprobieren – das ist was ganz anderes.“ Das Überangebot an bequemer Unterhaltung ist enorm, Netflix, Sky und Facebook tun ihr übriges, wie Woife Berger bedauert. Mit dem Real Life hat das wenig zu tun.

„Zwischenzeit“: Woife Berger, auch nachdenklich

Sein aktuelles Programm heißt „Zwischenzeit“. Da zeigt er einen anderen Woife Berger, einen, der recht kritisch und ernsthaft und nachdenklich sein kann. Er ist nicht mehr der Jungspund, der er vor 20 Jahren war – und auch das Publikum hat sich verändert. Mit ein wenig Bedauern stellt er fest, dass viele junge Leute nicht mehr zu Kabarettisten gehen. „Früher kamen problemlos 300 Leute. Heute darf man mit hundert schon froh sein.“

Neben dem Publikum haben sich die Veranstalter verändert. Manche Wirtschaften existieren gar nicht mehr – und manche sind nicht so recht auf Neues und Unberechenbares eingestellt. Aber es gibt sie noch, diese innovativen Wirte, bei denen der Woife Berger gern auf der Bühne steht. Gerne arbeitet er auch mit Vereinen, „wenn die was organisieren, ist die Bude immer voll“.

„Winnetou – mein Kindheitsidol“

Jetzt meldet sich sein Smartphone mit Game-of-Thrones-Hülle. Irgendwas Terminliches. Den Sperrbildschirm ziert Winnetou. „Ich bin ein großer Fan,“ sagt Woife Berger, als er das Telefonat beendet hat. „Winnetou steht für das Gute im Menschen. Dafür schwimmt er auch gern selbstlos gegen den Strom. Er ist mein Kindheitsidol.“ Noch heute bekommt er manchmal zu Weihnachten Geschenke rund um den berühmten Karl-May-Indianer. Derzeit hört er im Auto „Der Schatz im Silbersee.“ „Ich liebe Hörbücher. Radio ist mir zu anstrengend,“ sagt er. In seiner Freizeit sammelt er also Hörbücher, auch DVDs, er geht gern ins Kino, in Konzerte und Musicals und neulich hat er sich ein Motorrad gekauft, auf dem er als „Sonntagsfahrer“ um die Kurven knattert.

Woife Berger hat sich das Kindliche bewahrt, man sieht es auch in seinen Augen, die schlau und ernsthaft, aber eben auch sehr schelmisch sind. Über seine Kindheit sagt er nur Gutes – draußen Spielen, Fußball- und Schützenverein, zwei Geschwister, guter Zusammenhalt. Und auch sein Erwachsenenleben klingt gesund-gewöhnlich: „Mit 29 hab ich meine Frau kennengelernt, sie hatte schon einen Sohn, wir haben geheiratet, das Haus gebaut und eine Tochter bekommen.“

„Ich tu mich schwer mit dem Loslassen“

Zu der Tochter hat er eine sehr gute Beziehung, sie ist jetzt 16. Und noch immer mag sie einmal im Jahr den Papa-Tochter-Ausflug machen, der eine feste Institution ist. Irland, Schottland, Portugal. „Untertags bin ich viel daheim und habe schon gekocht, wenn sie von der Schule heimkommt,“ sagt Woife Berger und bekennt: „Ich tu mich wirklich schwer mit dem Loslassen.“

Der Stiefsohn ist bereits losgelassen. Mit seinen 27 Jahren ist er längst ausgezogen. „Wir sind easy Eltern,“ sagt der 46-Jährige. „Wir haben ein starkes Vertrauensverhältnis zu unseren Kindern.“ Und auch für andere Kinder setzt sich der Woife Berger ein. Mit dem Hilfsverein Kobold Freddy e.V. hat er in sechs Jahren mit über 70.000 Euro Gutes getan.

„Die Königinnen vertreten das Handwerk“

Woife Berger spricht mit Leidenschaft über seine Arbeit. Da gibt es jede Menge zu erzählen – er hat viele Projekte am Start. Zum Beispiel seine neue Show im Simbacher Lokschuppen. „Eine Wahnsinnsshow. Dreieinhalb Stunden ohne Pause. Es war eine Riesenfreude,“ erzählt er über den ersten Abend. Mit dabei war Toni Lauerer. „Es ist so schön, dass mich viele andere Künstler zu schätzen wissen,“ sagt er.

Wenn  Woife Berger nicht auf der Bühne steht, steht er vor der Kamera. Für Donau TV kocht er in seiner Sendung „Obgschmeckt„. „Ich bin ein leidenschaftlicher Koch, liebe Tim Mälzer und Jamie Oliver.“ Außerdem ist er im Bodenmaiser Glashüttenbrettl aktiv und wird ab Januar 2018 die Burgkirchner Talentschmiede moderieren. Jährlich moderiert er die Krönung der Aldersbacher Weißbierkönigin sowie die Krönung der Bayerischen Weißwurstkönigin in Bodenmais. „Das ist mir wichtig. Die Königinnen vertreten das Handwerk – das ist ein unterstützendwertes Politikum.“ Ab Januar 2018 präsentiert er ein neues Musik-Projekt mit Kajetan Löffler – Woife & KJ, „S’Lebn“, eine Mischung aus Blues und Rock mit Texten rund um Liebe, Ängste, Abneigungen.

„Ich kann auf Knopfdruck kreativ sein“

Woife Bergers Künstlerdasein zahlt sich aus, „es braucht aber keiner meinen, dass ich überbezahlt bin.“ Das ist ihm wichtig zu sagen. Mit Neidern hat er lang gehadert und tut es vielleicht auch heute noch ein wenig. Seine Buchhaltung macht er selbst, ebenso wie er alle Programme, Sendungen und Moderationen selbst schreibt und vorbereitet. „Ich kann auf Knopfdruck kreativ sein,“ sagt er über seine schier nie versiegende Inspiration. In 26 Künstlerjahren hat er über 350 Lieder geschrieben, 14 Bühnenprogramme gestaltet sowie elf CDs und acht DVDs produziert.

Bei so viel Arbeit hat er gar nichts gegen einen gemütlichen Abend daheim auf dem Kanapee. Mittlerweile kann er sich das gönnen. „Mir ist bewusst, dass ich genug mache,“ sagt er. Dieser Erkenntnis stand aber ein Lernprozess bevor. „Ich arbeite halt meistens abends – und bin untertags oft daheim. Die meisten Leute machen das andersrum. Da habe ich mich früher schon manchmal komisch oder faul gefühlt,“ sagt er. Er weiß aber auch: Mit seiner Arbeit als Vollzeitkabarettist macht er die Welt auch besser, getreu seinem Lebensmotto. „Wenn die Leute einen Abend mal ihren Alltagstrott vergessen und lachen können, dann ist das schon was,“ sagt er und kocht sich noch einen Kaffee.

Neues vom Woife

27 Jahre lang steht der Woife Berger schon auf bayerischen und auswärtigen Bühnen und unterhält die Leute mit seiner unverfälschten Frohnatur. Ebenso lange hat es gedauert, bis er endlich ein Buch herausgebracht hat. Und wer glaubt, es handelt sich in dem fast hundert Seiten starken Stück um ein Best-Of von Woifes Künstlerwerk, der vertut sich: „Gedichtln & Gedichte fia Bayern & Preißn!!“ lautet der Titel. Vorn drauf sitzt Woife auf einer Bank mitten auf einem Waldweg, den Stift gezückt, das Notizbuch in der Hand. Er dreht dem Betrachter den Rücken zu. Auf der Rückseite sieht man sein Lächeln, in dem unverkennbar der Spitzbua herausschaut, der in ihm steckt.

Und was steckt drin? Gedichtln und Gedichte halt. Auf Boarisch. So viel war mal klar – warum sollte sich ein Woife Berger in einem geschriebenen Werk plötzlich dem Hochdeutschen zuwenden? Das wäre ja… völlig verfälscht. Iny Lorentz und der Zither Manä haben dem Woife Vorwörter geschrieben – und er selbst legt auch noch eins vor. Nach einer kurzen Biografie geht’s endlich los. Und siehe da: Woife nimmt doch noch Rücksicht auf die „Preißn“, die ansonsten ganz schön aufgeschmissen wären. Links steht das Gedichtl auf Boarisch, rechts das Gedicht auf Hochdeutsch. Und das ist der Witz daran. Wer nämlich beide Sprachen beherrscht, hat einen Mordsspaß an Woifes Übersetzungskünsten. Aus „Boarisches über eps des de meisten Ma’na ned meng“ wird „Die Geschichte über den Wellnessurlaub von Grete, Marie und Liliane“. Oder da wäre „Boarisches über den Fotznspangla“, der auf der anderen Seite zum „Dentisten“ mutiert.

Der Lesespaß begrenzt sich freilich nicht nur auf die Titel. Es ist ein schlichter Wortwahnsinn, den der Woife in seinem ersten Werk ausreizt. Boarisch und Hochdeutsch – in jeder Sprache weiß sich der 47-Jährige zu helfen. Er schreckt dabei vor keinem Thema zurück: Ob Liebe, Schwiegermütter, Kritisches über den Fußball, den Sinn des Lebens, Pfarrer, Göttertreffen oder die Sprache selbst – ihm fällt zu allem etwas ein. Damit beweist er, was er schon vor einem Jahr in seinem Portrait erzählt hat. Der Woife Berger, der kann wirklich auf Knopfdruck kreativ sein. Anders ist es nicht zu erklären, wie er in nur einem Jahr gleich ein ganzes Gedicht(l)-Buch vollschreibt. Oder lag es doch am Druck seiner Tochter Julia, die, wie Woife verrät, immer fragte: „Papa, wo is iatz endlich moi des Buach, des du immer schreiben woitst?“

Woifes Werk ist erhältlich in der Buchhandlung „Lieblingsbuch“ in Simbach am Inn, in der Buchhandlung Pfeiler in Simbach am Inn, in der Buchhandlung Böhm in Pfarrkirchen und Eggenfelden, in der Buchhandlung Hölzl in Birnbach, in den Geschäftsstellen des Wochenblatts und auch online über wolfi-berger@t-online.de.

Ein Kommentar

  1. der gesamte Text ,obwohl er wirklich lang ist- im Erzählstil – super geschrieben.
    Flüssig zu lesen !
    Ich sag deine ges. Biographie aufn Punkt gebracht.
    Mach weiter so

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