Bairischer Punk-Rock von Sex á la Bamba: „Wir sind keine Volksfestband“

Es schüttet in Strömen und der Wind rüttelt an meinem Auto, als ich an diesem Abend zum Treffen mit der Band Sex á la Bamba fahre. Irgendwo hinter Triftern, drei Hügel aufwärts, links, rechts – da bin ich. Über der Garage ist angerichtet, da ist der Aufenthaltsraum, der ohne leere Bierflaschl und überquellenden Aschenbecher auskommt. Das ist fast eine Wohnung, fehlen grad noch die Betten. Der Bassist weist mich hinauf, drinnen spielen Frontmann und Gitarrist grad ihre neueste Nummer. Knautschige Ledersessel, grüne Wände, ein riesiger Bildschirm, dazu ein gemütliches Kanapee, Boxen, Instrumente und ein Kickerkasten. „Unser Proberaum ist woanders,“ sagt Frontmann Andreas Friedrich. „Hier kämen wir nicht zum Spielen.“

Größtes Ding: Vorband von Uriah Heep

Spielen – das ist es aber, was die vier Kerle von Sex á la Bamba wollen. Und sie tun es, haben es sich sogar zum Motto 2017 gemacht. „Spielen, spielen, spielen,“ betont Andi. „Wenn der Flins stimmt, tun wir alles.“ Nun ja – vielleicht nicht ganz alles. Doch dazu später… Gespielt haben die Vier jedenfalls schon viel zusammen, an die 25 Auftritte im Jahr. Seit 2013 sind sie in der aktuellen Besetzung, seit 2011 existiert die Band.

 

Sex á la Bamba geben sich nicht damit ab, in ihrem Kämmerlein für sich allein dahinzutüdeln. Mit ihrem T3-Bus sind sie ständig unterwegs und zwar nicht nur im Rottal. Beim Summa Rock in Hauzenberg haben sie den Headliner-Gig gespielt, „am Freitag um halb eins auf der großen Bühne“. Und ihr bisher größtes Ding haben sie wohl im letzten Jahr erlebt. „Da waren wir beim Dingfest in Dingolfing Vorband von Uriah Heep,“ erzählt Schlagzeuger Lukas Winetzhammer.

„Uns kann man nicht mit La Brass Banda vergleichen“

Heuer sind Sex á la Bamba bereits zum vierten Mal in Augsburg beim Bob’s Burger Fast and Slowfood. Und im Pfingst-Open-Air in Salching haben sie schon auf einer Hängerbühne gespielt, die durchs Festivalgelände getuckert ist. Neulich war ihre Musik in Bodenmais zu hören, im Glashüttenbrettl. „Unser Akustik-Set ist gut angekommen,“ sagt Andi. „Dabei waren die Zuhörer im Schnitt 40.“

Geschmack kennt halt keine Altersgrenze. Das, was man von Sex á la Bamba zu hören bekommt, nennt sich Mundart-Punkrock. Barfuß und in Lederhosen stehen die Jungs auf der Bühne. Das lässt den geneigten Musikliebhaber aufhorchen – war da nicht was? La Brass Banda zum Beispiel? Andi seufzt. „Ja,“ sagt er und seufzt. „Die Idee, Bairisch zu singen, hatten wir fast zeitgleich. Unsere Musik ist aber nicht damit zu vergleichen. Wir haben ja keine Bläser und spielen keinen Techno.“

Aus Sechser la Bamba wird Sex á la Bamba

Dass Sex á la Bamba so in der Gegend herumkommen, ist nicht zuletzt ihrer Umtriebigkeit geschuldet. „Wir bewerben uns, was geht,“ sagt Lukas Heckensteiger, genannt Hecki, Gitarrist und mit seinen 20 Jahren das Bandküken. Und es geht viel, was auch  die Gig-Liste für 2017 auf der Band-Homepage zeigt. Mit der Homepage war das eh so eine Sache… „Das Wort Sex darf ja nicht in einer Web-Adresse vorkommen,“ sagt Andi. „Ich hab so viel telefoniert, dass mich die von 1&1 schon gekannt haben.“ Mittlerweile ist die Band unter www.rock-alabamba.de zu finden.

 

Ein kleiner Kompromiss – wie auch der Bandname selbst. Denn wie macht denn der Bamba Sex? Die Vier lachen und Andi erzählt: „Als wir die Band gegründet haben, haben wir ziemlich viel gewürfelt. Und einen Sechserpasch nennt man halt Sechser la Bamba.“ Ein guter Bandname, wie er und Bassist Niklas Martl fanden. Irgendwann bewarben sie sich für ein Festival in Oberbayern. „Die Kontaktperson hat uns geantwortet – und uns versehentlich Sex á la Bamba genannt. Das gefiel uns dann gleich noch besser,“ sagt Andi und grinst.

„Bairisch singt sich nicht so geschmeidig“

Dass der Akzent auf dem „a“ verkehrt gesetzt ist, ist den Jungs schon klar. „Das ist extra so. Richtig kann’s ja jeder,“ meint der Frontmann. Und da kommt sie durch, seine Dickköpfigkeit, der er sich sehr wohl bewusst ist. Er ist es, der die neuen Ideen in die Band bringt, die Texte, die Melodien. Die Songs werden zwar gemeinsam ausgearbeitet, „ich lasse mir aber ungern dreinreden,“ gibt Andi zu. „So einen braucht man,“ sagt Hecke nur dazu und Nikki und Lukas nicken.

Viele Bands starten mit Cover-Nummern – bei Sex á la Bamba war das nie ein Thema. Eigene Texte waren von Anfang an ein Muss. „Mit Englisch sind wir aber recht schnell an unsere Grenzen gekommen,“ sagt Andi. Mit Bairisch war das schon anders. „Die Grammatik passt, die Vokabeln sind auch kein Problem – aber so geschmeidig singt sich das nicht. Bairisch ist eckiger.“ Deswegegen versuchen die Vier auch, die Refrains so deutlich wie möglich zu singen.

„Die Texte sind richtig selbsttherapierend“

Das ist auch auf den Tonträgern von Sex á la Bamba zu hören. Ihr erstes Album „Rock ’n‘ Roll Bavaria“ haben sie blitzschnell im Jahr 2014 mit Unterstützung des Crazy Cat Studios bei Eggenfelden aus den Boden gestampft. „As Dirndl“, „Auf da Pirsch“, „Weil i ned anders ka“ lauten da die Titel. „Da waren die Schwerpunkte Party und Frauen,“ sagt Andi. Bei der neuen EP „Nix zum Verlian“, die am 18. März 2017 mit einer Release-Party in der Trifterner Poststub’n gefeiert wird und die im Studio Wustrack in Deggendorf aufgenommen wurde, schaut die Sache anders aus. „Damit setzen wir ein aktuelles Statement. Die Texte sind richtig selbsttherapierend,“ sagt der Frontmann. Da geht es um weit mehr – um das Leben selbst nämlich.

 

Im echten Leben treffen sich die Bandmitglieder gut einmal in der Woche zum Proben. Dazu verbringen sie auch Zeit als Freunde miteinander. „Wir haben nie Musiker gesucht, sondern Menschen,“ sagt Andi dazu. Es folgt ein Schwall an gemeinsam Erlebten, die Jungs lachen und erinnern sich irgendwann an die Drei-Halbe-Regel – mehr wird vor einem Auftritt nicht getrunken. „Wir wollen professionell sein,“ sagt Hecki. „Wir stecken ja nicht mehr in den Kinderschuhen.“

„Verbiegen wollen wir uns nicht“

Alle nicken. „Eine Entwicklung ist auf alle Fälle sichtbar. Wir sind mit der Zeit besser geworden und haben viel Erfahrung gesammelt,“ sagt Andi. „Wir machen gern mal ein Benefizkonzert, aber sonst spielen wir nicht ohne Gage.“ Und die festzulegen, ist ein heikles Thema. „Hundert Leute garantiert herzubringen, ist schon ein Ding.“ Bei den Konzerten sind selten die Familien der Bandmitglieder vertreten. Und kommt doch mal jemand, steigt die Aufregung. „Mein jüngerer Bruder ist sehr kritisch. Da werd ich immer nervös,“ gibt Andi zu.

 

Ansonsten macht den Frontmann wenig nervös – weil er weiß, wo die Band steht. Ihnen allen ist klar – das, was sie machen, ist Nischenmusik. „Wir spielen für uns. Radio-Pläne haben wir keine. Wenn wir mal erfolgreich sind, ist das schön. Aber verbiegen wollen wir uns nicht,“ sagt Hecki und schiebt sein Käppi zurecht. Dabei verzichten sie schon mal auf so manches Treppchen zum möglichen Erfolg. „Wir hätten schon auf Volksfesten spielen können,“ erzählt Andi. „Das haben wir aber dankend abgelehnt. Wir sind keine Volksfestband und wollen auch nicht diesen Stempel haben.“ Geld ist eben doch nicht alles.

Andreas Friedrich, Andi (27) – Frontmann, Gitarre, Gesang

 

Andi ist mit seinen 27 Jahren der Bandälteste. Vielleicht ist er deshalb Frontmann, vielleicht ist das aber auch Charaktersache. Er beschreibt sich ja selbst als Dickkopf – und nur Dickköpfe bringen was voran. Andi hat eine große Komik, kann sich kaum stillhalten und hat gleichzeitig den nötigen Tiefgang, um die Bandsache ernst zu nehmen und die Richtung vorzugeben. „Wenn ich davon leben könnte – sofort,“ sagt er und bekennt sich zu seiner inneren Rampensau. Noten kann er wie die anderen nicht lesen, ein Vorbild hat er schon: Dave Grohl. „Ich kann seinen Stil nicht nachspielen, mir aber Ideen abschauen und den eigenen Fähigkeiten entsprechend anpassen,“ sagt er. Seine erste Bühnenerfahrung hat er mit elf Jahren gemacht, „als Alleinunterhalter am Keyboard für ein Trinkgeld.“ Und mit 13 hat er seinen ersten Song an der Gitarre einstudiert, „The House oft he rising Sun„. Seinen Eltern ist Andi absolut dankbar für ihre Unterstützung – „auch, wenn mich der Papa nie verstanden hat.“

Lukas Heckensteiger, Hecki (20) – Gitarre, Gesang

 

Hecki ist zwar das Bandküken, was aber nicht heißen will, dass er keine ordentlichen Sprüche drauf hat: Er redet überlegt und auf den Punkt gebracht. Aufenthaltsraum und Proberaum liegen in seinem Revier – da ist er daheim. Die Unterstützung seiner Eltern liegt auch darin begründet, dass sie ihn mit seiner Gitarre aus dem Haus haben wollten. „Das war ihnen einfach zu laut,“ gibt er zu. Mit seiner Gstanzl-Gitarre, die er immerhin dreieinhalb Jahre gelernt hat, war das ja noch was anderes. Aber als er bei einer Probe den Andi E-Gitarre spielen gesehen hat, war es um ihn geschehen. So eine musste er auch haben! Und so kam es, dass er heute selbst bei Sex á la Bamba spielt.

Niklas Martl, Nikki (25) – Bass

 

Nikki ist ein klassischer Bassist. Zurückhaltend, professionell, wahrscheinlich ein bissl extrig in Gedanken und Taten. Er hat im Gespräch am allerwenigsten gesagt, dafür für die Fotos so klipp und klar gepost, dass ich aus dem Staunen kaum mehr rauskam. Nikki hat sich das Bassspielen selbst gelernt und ist seit der ersten Stunde Bandmitglied. Wie sein Bandkollege Lukas ist er Linkshänder, spielt den Bass aber mit rechts.

Lukas Winetzhammer, Lukas (24) – Schlagzeug

 

Andi sagt über Lukas: „Wir sind keine fähigen Musiker, aber wir haben einen guten Schlagzeuger – in der Summe funktioniert’s!“ Das ist das höchste Kompliment und Lukas weiß es in seiner sympathisch-ruhigen Art zu schätzen. Als Linkshänder spielt er rechtshändig, seitdem er 17 Jahre alt ist. Das Spielen hat er sich auch selbst gelernt – von der CD weg. „Das war ziemlich laut,“ bekennt er. Im echten Leben arbeitet Lukas in einer Bank. Vielleicht verwaltet er auch deshalb in der Band die Finanzen.

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